Trotz der drückenden Hochsommerhitze strömten zahlreiche Besucher in Halle 12 der Allgäuer Festwoche. Mittendrin bot der Stand von „Demokratie leben!“ Kempten – ein Ort zum Informieren, Mitmachen und vor allem zum lebhaften Austausch. Neben den Angeboten städtischer Beratungsstellen, des Mehrgenerationenhauses und weiterer Einrichtungen bot der Seniorentag vielfältige Gelegenheiten, ins Gespräch zu kommen und selbst aktiv zu werden.
Ein besonderer Anziehungspunkt war erneut das Abstimmungsspiel. Mit bunten Kugeln konnten die Besucher bei vier kontroversen Aussagen zur Festwoche ihre Stimme abgeben – ob sie nun zustimmten oder nicht. Die Fragen drehten sich rund um die Festwoche, beispielsweise die Lage in der Innenstadt, die hohen Kosten oder die zunehmende Entwicklung hin zu einem Volksfest. Im Laufe des Tages zeichneten sich bei manchen Fragen klare Tendenzen ab. Eine deutliche Mehrheit sprach sich dafür aus, die Festwoche weiterhin in der Kemptener Innenstadt stattfinden zu lassen – trotz hoher Kosten und Einschränkungen für die Anwohner. Auch die Idee, Wirtschaftsmesse und Kulturtage zugunsten eines stärkeren Volksfestcharakters zu verkleinern, fand kaum Zustimmung. Bei möglichen Kosteneinsparungen durch eine Verschlankung des Programms gingen die Meinungen weiter auseinander. Beim Thema Dirndl und Lederhose überwog die Ansicht, dass das Gemeinschaftsgefühl auf der Festwoche wichtiger sein sollte als historische Genauigkeit. Natürlich hatten diese Ergebnisse keinen Anspruch auf Repräsentativität – im Mittelpunkt stand ohnehin weniger das Ergebnis als das Gespräch selbst.

So brachte eine Besucherin zur Diskussion um den Innenstadtstandort sogleich einen eigenen Lösungsvorschlag ein: Wenn die Anwohner jedes Jahr die Belastungen der Festwoche tragen müssten, sollten sie im Gegenzug kostenlose Eintrittskarten erhalten. Das Spiel zeigt eindrucksvoll: Nicht jede Frage braucht sofort eine richtige Antwort – manchmal lohnt es sich mehr, unterschiedliche Interessen sichtbar zu machen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Etwas weniger politisch, dafür umso kreativer wurde es an der Buttonstation. Auf Vorlagen konnten eigene Motive zum Thema „Gemeinschaft“ gestaltet und anschließend direkt vor Ort zu Buttons verarbeitet werden. Besonders bei den Kindern kam das Angebot gut an, und so entstanden im Laufe des Tages viele ganz unterschiedliche Motive, die anschließend stolz getragen wurden. Auch einige Erwachsene konnten der Versuchung nicht widerstehen und griffen zum Stift.

Ebenfalls mit dabei war die Wünschewand der Kinder und Jugendlichen. Schon beim Kindertag auf dem Altstadtfest waren dort zahlreiche Ideen für Kempten gesammelt worden. Die Bandbreite reichte von mehr und besseren Spiel-, Sport- und Aufenthaltsmöglichkeiten über mehr Bäume und weniger Verkehr bis hin zu Wünschen nach Gleichberechtigung, weniger Rassismus und einem guten Zusammenleben. Natürlich fehlten auch fantasievollere Vorschläge nicht – etwa ein Unterwasserspielplatz oder ein eigener Freizeitpark für Kempten. Auf der Festwoche kamen weitere Wünsche hinzu. Ein besonderer Moment ergab sich, als Oberbürgermeister Christian Schoch im Rahmen seines Rundgangs durch Halle 12 am Stand vorbeikam. Bereits im Vorfeld war er eingeladen worden, einen Blick auf die gesammelten Ideen zu werfen. Gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Stadtrats nahm er sich Zeit für die Wünsche der Kinder und Jugendlichen und die Vielzahl an Vorschlägen.
Kinder und Jugendliche sind schließlich Experten ihres eigenen Alltags. Sie erleben selbst, wo ein Spielplatz fehlt, welche Wege unangenehm sind, wo Treffpunkte fehlen oder welche Regeln sie beschäftigen. Das zeigte die Vielfalt der eingebrachten Ideen eindrücklich. Natürlich lässt sich nicht jeder Wunsch verwirklichen – und ein Unterwasserspielplatz dürfte auch weiterhin eine größere Herausforderung bleiben. Beteiligung sollte aber mehr sein als das reine Einsammeln von Ideen. Entscheidend ist, dass Vorschläge weitergetragen und dort, wo es möglich ist, auch aufgegriffen werden.

Der eigentliche Höhepunkt des Festwochentages wartete jeweils um 11:30 Uhr und 17:30 Uhr: das eigens für die Festwoche entwickelte Demokratie-Pubquiz. In 14 Multiple-Choice-Fragen aus vier Kategorien ging es um Demokratie, politische Institutionen, parlamentarische Praxis und das Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Mitmachen konnte man digital über ein Onlinetool oder ganz klassisch mit Stift und Zettel. In den Gruppen wurde ordentlich gerätselt, diskutiert und abgewogen. Auch zwischen den Teams blieb der Wettbewerb fair – teilweise wurde sich sogar gegenseitig geholfen. Genau dieser Austausch gehörte mindestens genauso zum Quiz wie das Sammeln möglichst vieler Punkte.
Über beide Quizrunden nahmen circa 20 Teams teil. Am Ende lagen „Silver Scientists 2“ und „Silver Science 1“ mit jeweils 10 von 14 möglichen Punkten gemeinsam an der Spitze. Herzlichen Glückwunsch! Leer ging trotzdem niemand aus: Zum Abschluss konnten die Teilnehmer zwischen einer „Miteinander Kempten gestalten“-Brotzeitdose und einem Paar „Miteinander Kempten gestalten“-Socken wählen.

Neben den einzelnen Aktionen bot der Tag immer wieder Gelegenheit, über die Arbeit von „Demokratie leben!“ in Kempten, aktuelle Projekte und Möglichkeiten der Beteiligung ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ist dabei sogar die eine oder andere neue Idee für Kempten entstanden. Das rege Interesse hat jedenfalls gezeigt: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt davon, dass Menschen sich einbringen, miteinander diskutieren und ihre Stadt mitgestalten.
Der Tag in Halle 12 war damit ein voller Erfolg. Vielen Dank an alle, die abgestimmt, Wünsche aufgeschrieben, mitgerätselt, diskutiert oder einfach vorbeigeschaut haben!


