Demokratie zum Mitmachen auf der Allgäuer Festwoche

Trotz der drückenden Hochsommerhitze strömten zahlreiche Besucher in Halle 12 der Allgäuer Festwoche. Mittendrin bot der Stand von „Demokratie leben!“ Kempten – ein Ort zum Informieren, Mitmachen und vor allem zum lebhaften Austausch. Neben den Angeboten städtischer Beratungsstellen, des Mehrgenerationenhauses und weiterer Einrichtungen bot der Seniorentag vielfältige Gelegenheiten, ins Gespräch zu kommen und selbst aktiv zu werden.

Ein besonderer Anziehungspunkt war erneut das Abstimmungsspiel. Mit bunten Kugeln konnten die Besucher bei vier kontroversen Aussagen zur Festwoche ihre Stimme abgeben – ob sie nun zustimmten oder nicht. Die Fragen drehten sich rund um die Festwoche, beispielsweise die Lage in der Innenstadt, die hohen Kosten oder die zunehmende Entwicklung hin zu einem Volksfest. Im Laufe des Tages zeichneten sich bei manchen Fragen klare Tendenzen ab. Eine deutliche Mehrheit sprach sich dafür aus, die Festwoche weiterhin in der Kemptener Innenstadt stattfinden zu lassen – trotz hoher Kosten und Einschränkungen für die Anwohner. Auch die Idee, Wirtschaftsmesse und Kulturtage zugunsten eines stärkeren Volksfestcharakters zu verkleinern, fand kaum Zustimmung. Bei möglichen Kosteneinsparungen durch eine Verschlankung des Programms gingen die Meinungen weiter auseinander. Beim Thema Dirndl und Lederhose überwog die Ansicht, dass das Gemeinschaftsgefühl auf der Festwoche wichtiger sein sollte als historische Genauigkeit. Natürlich hatten diese Ergebnisse keinen Anspruch auf Repräsentativität – im Mittelpunkt stand ohnehin weniger das Ergebnis als das Gespräch selbst.

Besucher:innen diskutieren am Stand von „Demokratie leben!“ über Aussagen zur Allgäuer Festwoche und geben ihre Stimme am Abstimmungsspiel ab.
Silvan Hecht im Gespräch mit Passanten vor dem Abstimmungsspiel. Foto: Romana Eger

So brachte eine Besucherin zur Diskussion um den Innenstadtstandort sogleich einen eigenen Lösungsvorschlag ein: Wenn die Anwohner jedes Jahr die Belastungen der Festwoche tragen müssten, sollten sie im Gegenzug kostenlose Eintrittskarten erhalten. Das Spiel zeigt eindrucksvoll: Nicht jede Frage braucht sofort eine richtige Antwort – manchmal lohnt es sich mehr, unterschiedliche Interessen sichtbar zu machen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Etwas weniger politisch, dafür umso kreativer wurde es an der Buttonstation. Auf Vorlagen konnten eigene Motive zum Thema „Gemeinschaft“ gestaltet und anschließend direkt vor Ort zu Buttons verarbeitet werden. Besonders bei den Kindern kam das Angebot gut an, und so entstanden im Laufe des Tages viele ganz unterschiedliche Motive, die anschließend stolz getragen wurden. Auch einige Erwachsene konnten der Versuchung nicht widerstehen und griffen zum Stift.

Zwei Kinder gestalten am Mitmachstand eigene Buttons zum Thema Gemeinschaft. Im Hintergrund ist die Wünschewand mit Ideen von Kindern und Jugendlichen für Kempten zu sehen.
Zwei Kinder gestalten ihren Button Foto: Romana Eger

Ebenfalls mit dabei war die Wünschewand der Kinder und Jugendlichen. Schon beim Kindertag auf dem Altstadtfest waren dort zahlreiche Ideen für Kempten gesammelt worden. Die Bandbreite reichte von mehr und besseren Spiel-, Sport- und Aufenthaltsmöglichkeiten über mehr Bäume und weniger Verkehr bis hin zu Wünschen nach Gleichberechtigung, weniger Rassismus und einem guten Zusammenleben. Natürlich fehlten auch fantasievollere Vorschläge nicht – etwa ein Unterwasserspielplatz oder ein eigener Freizeitpark für Kempten. Auf der Festwoche kamen weitere Wünsche hinzu. Ein besonderer Moment ergab sich, als Oberbürgermeister Christian Schoch im Rahmen seines Rundgangs durch Halle 12 am Stand vorbeikam. Bereits im Vorfeld war er eingeladen worden, einen Blick auf die gesammelten Ideen zu werfen. Gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Stadtrats nahm er sich Zeit für die Wünsche der Kinder und Jugendlichen und die Vielzahl an Vorschlägen.

Kinder und Jugendliche sind schließlich Experten ihres eigenen Alltags. Sie erleben selbst, wo ein Spielplatz fehlt, welche Wege unangenehm sind, wo Treffpunkte fehlen oder welche Regeln sie beschäftigen. Das zeigte die Vielfalt der eingebrachten Ideen eindrücklich. Natürlich lässt sich nicht jeder Wunsch verwirklichen – und ein Unterwasserspielplatz dürfte auch weiterhin eine größere Herausforderung bleiben. Beteiligung sollte aber mehr sein als das reine Einsammeln von Ideen. Entscheidend ist, dass Vorschläge weitergetragen und dort, wo es möglich ist, auch aufgegriffen werden.

Besucher betrachten die Wünschewand mit Ideen von Kindern und Jugendlichen für Kempten. Im Hintergrund ist der Stand von „Miteinander Kempten gestalten“ zu sehen.
Stadträte Helmut Berchtold und Dominik Tartler betrachten gemeinsam die Wünsche der Kinder und Jugendlichen Foto: Romana Eger

Der eigentliche Höhepunkt des Festwochentages wartete jeweils um 11:30 Uhr und 17:30 Uhr: das eigens für die Festwoche entwickelte Demokratie-Pubquiz. In 14 Multiple-Choice-Fragen aus vier Kategorien ging es um Demokratie, politische Institutionen, parlamentarische Praxis und das Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Mitmachen konnte man digital über ein Onlinetool oder ganz klassisch mit Stift und Zettel. In den Gruppen wurde ordentlich gerätselt, diskutiert und abgewogen. Auch zwischen den Teams blieb der Wettbewerb fair – teilweise wurde sich sogar gegenseitig geholfen. Genau dieser Austausch gehörte mindestens genauso zum Quiz wie das Sammeln möglichst vieler Punkte.

Über beide Quizrunden nahmen circa 20 Teams teil. Am Ende lagen „Silver Scientists 2“ und „Silver Science 1“ mit jeweils 10 von 14 möglichen Punkten gemeinsam an der Spitze. Herzlichen Glückwunsch! Leer ging trotzdem niemand aus: Zum Abschluss konnten die Teilnehmer zwischen einer „Miteinander Kempten gestalten“-Brotzeitdose und einem Paar „Miteinander Kempten gestalten“-Socken wählen.

Das Team von „Miteinander Kempten gestalten“ sitzt gemeinsam auf der Bühne in Halle 12 der Allgäuer Festwoche und bereitet das Demokratie-Pubquiz vor.
Unser Team hat Spaß. von vLnR: Romana Eger, Amira Steinsberger, Nicolas Hefele, Silvan Hecht und Priska Hecht. Foto: Demokratie leben!

Neben den einzelnen Aktionen bot der Tag immer wieder Gelegenheit, über die Arbeit von „Demokratie leben!“ in Kempten, aktuelle Projekte und Möglichkeiten der Beteiligung ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ist dabei sogar die eine oder andere neue Idee für Kempten entstanden. Das rege Interesse hat jedenfalls gezeigt: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt davon, dass Menschen sich einbringen, miteinander diskutieren und ihre Stadt mitgestalten.

Der Tag in Halle 12 war damit ein voller Erfolg. Vielen Dank an alle, die abgestimmt, Wünsche aufgeschrieben, mitgerätselt, diskutiert oder einfach vorbeigeschaut haben!

Demokratie leben! auf dem Thingersfest 2026

27. Juni um 12:00 17:00

Auch in diesem Jahr ist das Team von „Demokratie leben!“ wieder auf dem Thingersfest vertreten – mit einem bunten Info- und Beteiligungsstand mitten im Geschehen. Besucherinnen und Besucher erwartet die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, eigene Meinungen einzubringen und Demokratie einmal ganz praktisch zu erleben.

Mit interaktiven Methoden und kreativen Mitmachaktionen laden wir dazu ein, sich auf niedrigschwellige Weise mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt stehen Austausch, neue Perspektiven und die Frage: Wie wollen wir unser Zusammenleben in Kempten gestalten?

Vorbeikommen, mitmachen und Stimme einbringen – wir freuen uns auf viele spannende Begegnungen!

ikarus.thingers e.V.

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Bürgerpark Thingers

Schwalbenweg 69
Kempten (Allgäu), 87439
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Demokratie leben! beim Connected Women Day

Am Samstag, den 11. Oktober 2025, wurde Kempten zum Treffpunkt für inspirierende Begegnungen: Der Connected Women Day brachte Frauen jeglicher Herkunft und jeden Alters zusammen, um sich auszutauschen, zu vernetzen und gegenseitig zu stärken. Der Tag, welcher von Frauen für Frauen organisiert wurde, bot ein vielfältiges Programm, welches neben spannenden Impulsvorträgen zu den Themen „Arbeit und Ausbildung“ und „Wohnung finden“ auch kreative ebenso wie sportliche Workshops und informative Stände engagierter Projekte und Einrichtungen umfasste.  

Auch wir von Demokratie leben! wurden durch unsere Teamerinnen Mariella Simnacher und Anastasia Zoubarev mit einem eigenen Stand vertreten. Unser Anliegen war es mithilfe zweier Spiele, die zum ersten Mal zum Einsatz kamen, den Dialog über gesellschaftliche Themen, die vor allem Frauen betreffen, anzuregen und zu zeigen, dass Mitbestimmung, Austausch und gegenseitiger Respekt Grundpfeiler einer lebendigen Demokratie sind.

Teamerinnen Mariella Simnacher und Anastasia Zoubarev bei der Betreuung des Abstimmungsspiels
Teamerinnen Mariella Simnacher und Anastasia Zoubarev bei der Betreuung des Abstimmungsspiels
Foto: @Mariana Vázquez

Besonders beliebt war vor allem das Abstimmungsspiel, bei dem die Teilnehmerinnen zu verschiedenen Aussagen kleine Filzbälle in das „Stimme zu“-Rohr oder das „Stimme nicht zu“-Rohr werfen konnten. Dieses Spiel ist ein einfacher aber doch wirkungsvoller Weg, um sichtbar zu machen, was Frauen in Kempten bewegt. So entstand im Laufe des Tages ein buntes Meinungsbild rund um Aussagen zu Selbstbestimmung, Engagement und Gleichberechtigung.

Während viele Frauen der Meinung waren, dass Kempten ihnen ausreichend Möglichkeiten bietet, sich in der Gesellschaft oder Politik einzubringen, zeigte sich bei der Frage nach Führungspositionen ein gemischtes Stimmungsbild. In Gesprächen mit den Teilnehmerinnen konnten wir feststellen, dass die Frauen, die nicht die Möglichkeit haben in einer Führungsposition zu arbeiten, der Aussage, dass in Kempten schon viel getan wird, damit mehr Frauen in Führungspositionen kommen, eher nicht zustimmen. Besonders deutlich war das Bild bei der Aussage nach Vereinbarung von Familie und Beruf. Hier machten die meisten Frauen deutlich, dass äußere Strukturen, wie flexible Arbeitszeiten oder Kinderbetreuung, entscheidend sind und die Vereinbarung von Familie und Beruf somit nicht von der individuellen Organisation abhängig ist. Zuletzt erhielt die Aussage, dass Frauen selbstbewusster ihre Wünsche und Forderungen äußern sollten, statt auf Veränderungen von außen zu warten, große Zustimmung.

Das Abstimmungsspiel mit den Ergebnissen des Tages
Das Abstimmungsspiel mit den Ergebnissen des Tages. Foto @Anastasia Zoubarev

Die Ergebnisse des Abstimmungsspiels zeigen deutlich, dass demokratische Teilhabe und Gleichberechtigung in Kempten bereits gelebte Werte darstellen, welche aber noch ausbaufähig sind. Viele Frauen fühlen sich gehört und sehen Möglichkeiten sich gesellschaftlich oder politisch einzubringen, was ein positives Signal für das lokale Engagement ist. Gleichzeitig ist erkennbar, dass Chancengleichheit in Führungspositionen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiterhin zentrale Themen bleiben, bei denen die Frauen, zumindest bezüglich des Themas Führungspositionen, Verbesserungspotenzial sehen. Ein besonders ermutigendes Zeichen war die hohe Zustimmung zur Aussage, dass Frauen selbstbewusster einfordern sollen was sie wollen. Das verdeutlicht den Wunsch nach mehr Selbstbestimmung und Eigeninitiative, was eine wichtige Voraussetzung für eine lebendige Demokratie ist, in der jede Stimme zählt.

Auch unser „Emotionsspiel“ sorgte für intensive Gespräche. Zu Themen wie Frauenhäuser, Gewaltschutzgesetz, Gender Pay Gap und mehr konnten sich die Teilnehmerinnen auf einen Kreis stellen, der ihrer Gefühlslage am nächsten kommt. Mithilfe der aufklärenden Themen konnten die Frauen nicht nur Neues lernen, sondern sich auch untereinander über verschiedene Themen unterhalten.

Plakate von laufenden und zukünftigen Projekten von Demokratie leben! Foto: @Anastasia Zoubarev

Für unser Projekt Demokratie leben! bedeutet das weiterhin auf die Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe zu achten und auch für Frauen mehr Räume zu schaffen, in denen sie ihre Meinung äußern und sich vernetzen können. Zudem sollte der Dialog, besonders zwischen verschiedenen Lebensrealitäten, gefördert werden, um gegenseitiges Verständnis zu vertiefen und Frauen ermutigen ihre Interessen öffentlich zu vertreten.

Insgesamt konnten die Ergebnisse verdeutlichen, dass Demokratie schon im Kleinen beginnt: In Gesprächen untereinander, einem respektvollen Austausch und Abstimmungen. Jede Begegnung, bei der Meinungen gehört und Unterschiede anerkannt werden, trägt zu einer demokratischeren und gerechteren Gesellschaft bei.

Neben der Vernetzung der Frauen, konnten wir von Demokratie leben! auf spielerischem Wege die Frauen über aktuelle gesellschaftliche Themen aufklären und den Dialog unter ihnen, aber auch mit uns fördern. Gleichzeitig hatten alle Teilnehmerinnen die Möglichkeit ihre Meinung, mithilfe des Abstimmungsspiels, sichtbar zu machen und somit ihre Meinung zu bestimmten Sachverhalten, die auch Kempten betreffen, zu äußern. Durch unsere Teilnahme am Connected Women Day konnten wir unseren grundlegenden Zielen, wie demokratisches Engagement vor Ort fördern, Zivilgesellschaft stärken und demokratische Beteiligung entwickeln, nachgehen und somit auch diese Werte weitergeben.

Die zwei Spiele können gerne auf Anfrage ausgeliehen werden. Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, welches vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, zielt insbesondere darauf ab zivilgesellschaftliches Engagement für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander und die Arbeit gegen Radikalisierungen und Polarisierungen in der Gesellschaft zu schaffen. Die Demokratie braucht Menschen, die demokratische Kultur leben, sie erhalten und gestalten. Diese Menschen stärken wir, indem wir Projekte zur Förderung von Demokratie und Vielfalt in Kempten entwickeln und umsetzen und Präventionsarbeit gegen jegliche Form von Extremismus und demokratie- als auch menschenfeindliche Haltungen leisten.

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Die Förderlogos von Miteinander Kempten Gestalten und dem Bundesprojekt Demokratie leben!