Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ort der Demokratie“ laden wir zu einem weiteren Abend mit Dr. Sascha Ruppert Karakas von der Ludwig-Maximilians-Universität München ein. Nach seinem Vortrag zum Nahostkonflikt im vergangenen Jahr wird er erneut in Kempten zu Gast sein und aktuelle Entwicklungen im Nahen Osten politikwissenschaftlich einordnen.
Akteure, Hintergründe und Perspektiven
Seit Ende Februar 2026 erschüttert der Krieg gegen den Iran den Nahen Osten und belastet zunehmend auch die globale Wirtschaft. Der Konflikt stellt bestehende sicherheitspolitische Ordnungen in der Region infrage und wirft grundlegende Fragen nach den Interessen der beteiligten Akteure, der zukünftigen Machtordnung im Nahen Osten und der Relevanz des Völkerrechts auf.
Der Vortrag analysiert die Interessen und Strategien Israels, der USA und des iranischen Regimes und fragt nach der Rolle der Golfstaaten sowie neuer regionaler Bündnisse. Dabei werden innenpolitische Faktoren ebenso berücksichtigt wie die Konsequenzen, die die anhaltenden Spannungen für die sicherheitspolitische Ordnung haben werden.
Abschließend richtet der Vortrag den Blick auf die menschenrechtliche Lage im Iran, die Auswirkungen des Konflikts auf die zukünftige Rolle des Völkerrechts sowie die langfristigen politischen und wirtschaftlichen Folgen des Konflikts für Deutschland.
Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit für Fragen und den gemeinsamen Austausch mit dem Referenten.
Die Veranstaltung ist Teil des Ortes der Demokratie und ein Angebot von Miteinander Kempten Gestalten gefördert durch Demokratie leben!. Die Veranstaltungsreihe im Haus International bietet Raum für Austausch, Diskussion und Beteiligung.
Anmeldung: Eine Anmeldung über die Seite der VHS ist nicht erforderlich, wird jedoch zur besseren Planung und um sich einen Platz zu sichern empfohlen. Anmeldung unter: www.vhs-kempten.de.
Rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen in der Volkshochschule Kempten zusammen, um sich im Rahmen des Vortrags „Differenziert über den Nahostkonflikt sprechen: Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im historischen und politischen Kontext“ mit einem der derzeit an den stärksten polarisierten Themen auseinanderzusetzen.
Dr. Sascha Ruppert-Karakas zu beginn seines Vortrages, Foto @Silvan Hecht
Der Politikwissenschaftler Dr. Sascha Ruppert-Karakas (LMU München) machte zu Beginn deutlich, dass der Abend keinen vollständigen Überblick über die gesamte Konfliktgeschichte leisten könne. Ziel sei vielmehr eine faktische Einordnung eines stark emotionalisierten Diskurses – mit dem Anspruch, politische Logiken zu verstehen, ohne Gewalt oder Akteure zu rechtfertigen. Der Vortrag bewegte sich dabei bewusst innerhalb einer liberal-demokratischen Perspektive, orientiert an Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Frage, warum undifferenziertes Sprechen über den Nahostkonflikt problematisch ist. Ruppert-Karakas zeigte auf, dass vereinfachende Narrative autoritären Akteuren nutzen, zivilgesellschaftliche Stimmen marginalisieren und den Konflikt zur Projektionsfläche innerdeutscher Auseinandersetzungen machen. Der Ruf nach „klaren Positionen“ greife dabei häufig zu kurz und blende die reale Komplexität aus.
Dr. Sascha Ruppert-Karakas erklärt dem interessierten Publikum, welche Narrative und Probleme hinter dem Begriff „Terrorhochburg“ stecken, Foto @Mariella Simnacher
Inhaltlich spannte der Vortrag einen Bogen vom historischen Kontext der Gewaltspiralen über die gescheiterten Oslo-Friedensverhandlungen bis hin zur Eskalation seit dem 7. Oktober 2023. Dabei wurde sowohl das von der Hamas verübte Massaker an der israelischen Zivilbevölkerung als auch die militärische Reaktion Israels und deren gravierende humanitäre Folgen für die Zivilbevölkerung in Gaza klar benannt und völkerrechtlich eingeordnet.
Besonders diskutiert wurde die scheinbare Unlösbarkeit des Konflikts. Ruppert-Karakas zeigte, wie sich auf beiden Seiten über Jahrzehnte hinweg Gewalt, Polarisierung und Dehumanisierung gegenseitig verstärkt haben – und welche Interessen autoritäre Akteure an der Fortführung dieses Zustands haben. Zugleich nahm er verbreitete Deutungsmuster kritisch in den Blick, etwa die Gleichsetzung Gazas mit Hamas oder vereinfachende Begriffe wie „Terrorhochburg“, die analytisch mehr verdecken als erklären.
In der anschließenden Fragerunde, die intensiv genutzt wurde, ging es nicht nur um den Konflikt vor Ort, sondern auch um die Situation in Deutschland: Wie kann hierzulande differenziert und würdevoll über Israel und Palästina gesprochen werden, ohne Antisemitismus, Rassismus oder Kollektivzuschreibungen zu reproduzieren? Die Diskussion zeigte deutlich das Bedürfnis nach Orientierung und nach einem Diskursraum jenseits von moralischer Zuspitzung.
Das Publikum mit Organisator Silvan Hecht und Referenten Sascha Ruppert-Karakas im Gespräch, wie würdevoll zu dem Thema gesprochen werden kann, Foto @Mariella Simnacher
Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung blieben zahlreiche Teilnehmende noch vor Ort, um im persönlichen Austausch mit dem Referenten, dem Veranstalter und untereinander weiterzudiskutieren.
Organisiert und finanziert wurde der Vortrag von der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ Kempten (Silvan Hecht) in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kempten. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig es ist, gerade bei hochumstrittenen Themen Räume für differenzierten, respektvollen und informierten Austausch zu schaffen.
Unter dem Titel Miteinander Kempten gestalten gehört die Stadt Kempten zu zahlreichen Städten und Landkreisen, die im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! als Partnerschaft für Demokratie gefördert werden. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Kempten erhält jährlich 140.000 Euro zur Unterstützung von Projekten, die demokratisches Engagement fördern und die Gesellschaft zusammenbringen.
Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im historischen und politischen Kontext
Der Krieg zwischen Israel und der Hamas beschäftigt weltweit Politik, Medien und Gesellschaft – auch bei uns. Die öffentliche Debatte ist emotional aufgeladen und oft geprägt von vereinfachten Sichtweisen. Doch wie lässt sich über diesen Konflikt sprechen, ohne in Parteinahme oder Pauschalisierungen zu verfallen?
Der Politikwissenschaftler Dr. Sascha Ruppert-Karakas gibt in seinem Vortrag eine differenzierte Einordnung des aktuellen Konflikts zwischen Israel und der Hamas. Er beleuchtet historische Hintergründe, politische Entwicklungen und internationale Einflussfaktoren und zeigt auf, wie eng Geschichte, Religion, Machtpolitik und menschliches Leid miteinander verwoben sind.
Zugleich geht es um die Frage, welche Verantwortung westliche Gesellschaften im Umgang mit diesem Konflikt tragen und wo die Grenzen des Sagbaren verlaufen. Der Vortrag lädt ein, Informationen zu vertiefen, Perspektiven zu reflektieren und Wege zu einem respektvollen Diskurs zu finden.
Nach dem circa einstündigen Vortrag wird es die Möglichkeit geben direkt Fragen an Dr. Sascha Ruppert-Karakas zu stellen.
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