Differenziert über den Nahostkonflikt sprechen – Vortrag an der VHS Kempten

Rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen in der Volkshochschule Kempten zusammen, um sich im Rahmen des Vortrags „Differenziert über den Nahostkonflikt sprechen: Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im historischen und politischen Kontext“ mit einem der derzeit an den stärksten polarisierten Themen auseinanderzusetzen.

Referent Dr. Sascha Ruppert-Karakas rechts im Bild zu Beginn des Vortrags
Dr. Sascha Ruppert-Karakas zu beginn seines Vortrages, Foto @Silvan Hecht

Der Politikwissenschaftler Dr. Sascha Ruppert-Karakas (LMU München) machte zu Beginn deutlich, dass der Abend keinen vollständigen Überblick über die gesamte Konfliktgeschichte leisten könne. Ziel sei vielmehr eine faktische Einordnung eines stark emotionalisierten Diskurses – mit dem Anspruch, politische Logiken zu verstehen, ohne Gewalt oder Akteure zu rechtfertigen. Der Vortrag bewegte sich dabei bewusst innerhalb einer liberal-demokratischen Perspektive, orientiert an Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus.

Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Frage, warum undifferenziertes Sprechen über den Nahostkonflikt problematisch ist. Ruppert-Karakas zeigte auf, dass vereinfachende Narrative autoritären Akteuren nutzen, zivilgesellschaftliche Stimmen marginalisieren und den Konflikt zur Projektionsfläche innerdeutscher Auseinandersetzungen machen. Der Ruf nach „klaren Positionen“ greife dabei häufig zu kurz und blende die reale Komplexität aus.

Der Referent erklärt dem interessierten Publikum welche Narrative hinter dem Begriff Terrorhochburg stecken
Dr. Sascha Ruppert-Karakas erklärt dem interessierten Publikum, welche Narrative und Probleme hinter dem Begriff „Terrorhochburg“ stecken, Foto @Mariella Simnacher

Inhaltlich spannte der Vortrag einen Bogen vom historischen Kontext der Gewaltspiralen über die gescheiterten Oslo-Friedensverhandlungen bis hin zur Eskalation seit dem 7. Oktober 2023. Dabei wurde sowohl das von der Hamas verübte Massaker an der israelischen Zivilbevölkerung als auch die militärische Reaktion Israels und deren gravierende humanitäre Folgen für die Zivilbevölkerung in Gaza klar benannt und völkerrechtlich eingeordnet.

Besonders diskutiert wurde die scheinbare Unlösbarkeit des Konflikts. Ruppert-Karakas zeigte, wie sich auf beiden Seiten über Jahrzehnte hinweg Gewalt, Polarisierung und Dehumanisierung gegenseitig verstärkt haben – und welche Interessen autoritäre Akteure an der Fortführung dieses Zustands haben. Zugleich nahm er verbreitete Deutungsmuster kritisch in den Blick, etwa die Gleichsetzung Gazas mit Hamas oder vereinfachende Begriffe wie „Terrorhochburg“, die analytisch mehr verdecken als erklären.

In der anschließenden Fragerunde, die intensiv genutzt wurde, ging es nicht nur um den Konflikt vor Ort, sondern auch um die Situation in Deutschland: Wie kann hierzulande differenziert und würdevoll über Israel und Palästina gesprochen werden, ohne Antisemitismus, Rassismus oder Kollektivzuschreibungen zu reproduzieren? Die Diskussion zeigte deutlich das Bedürfnis nach Orientierung und nach einem Diskursraum jenseits von moralischer Zuspitzung.

Das Publikum mit Organisator Silvan Hecht und Referenten Sascha Ruppert-Karakas im Gespräch, wie würdevoll zu dem Thema gesprochen werden kann.
Das Publikum mit Organisator Silvan Hecht und Referenten Sascha Ruppert-Karakas im Gespräch, wie würdevoll zu dem Thema gesprochen werden kann, Foto @Mariella Simnacher

Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung blieben zahlreiche Teilnehmende noch vor Ort, um im persönlichen Austausch mit dem Referenten, dem Veranstalter und untereinander weiterzudiskutieren.

Organisiert und finanziert wurde der Vortrag von der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ Kempten (Silvan Hecht) in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kempten. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig es ist, gerade bei hochumstrittenen Themen Räume für differenzierten, respektvollen und informierten Austausch zu schaffen.

Unter dem Titel Miteinander Kempten gestalten gehört die Stadt Kempten zu zahlreichen Städten und Landkreisen, die im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! als Partnerschaft für Demokratie gefördert werden. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Kempten erhält jährlich 140.000 Euro zur Unterstützung von Projekten, die demokratisches Engagement fördern und die Gesellschaft zusammenbringen.

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Erste Teamer:innen-Schulung – Gemeinsam für Demokratie aktiv

Am Montag, den 27. Oktober 2025, fand in der Volkshochschule Kempten unsere erste Teamer:innenschulung statt. In kleiner, aber engagierter Runde kamen interessierte Personen zusammen, um zu lernen wie sie als Teamer:innen bei „Demokratie leben!“ aktiv werden können. Mit dieser Veranstaltung fiel der Startschuss für alle, die künftig unsere Arbeit vor Ort unterstützen und mitgestalten möchten.

Im Mittelpunkt des Treffens stand der Aufbau des Teamer:innen-Pools, einem Netzwerk engagierter Menschen, die sich im Namen von „Demokratie leben!“ für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt stark machen. Die Teamer:innen unterstützen uns in Zukunft bei Events und profitieren gleichzeitig durch neue Kontakte, Austausch mit anderen engagierten Personen und der Förderung durch Schulungen.

die Erste Teamer:innenschulung: Vorne an der Tafel sitzt Silvan Hecht die Koordinierungs- und Fachstelle und erklärt interessierten Zuhörern (rechts im Bild) Organisatorisches zum Teamer:innenpool
Die Koordinierungs- und Fachstelle Silvan Hecht erklärt interessierte Teamer:innenanwärter die Grundlagen der Tätigkeit Foto: @Anastasia Zoubarev

Der Schulungsabend begann um 18:00 Uhr mit einem offenen Ankommen, einer kurzen Vorstellungsrunde und der Frage nach der Motivation der Teilnehmenden. Einige wurden über die Hochschule auf das Angebot aufmerksam, andere engagieren sich bereits in der Jugendkommission. Schnell wurde klar: Offenheit, Kommunikationsfreude und Teamgeist sind die wichtigsten Eigenschaften für Teamer:innen.

Silvan Hecht, Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ Kempten, stellte das Bundesprogramm vor, gab einen Überblick über Ziele, Strukturen und Themenschwerpunkte und erklärte wie die Arbeit im Teamer:innen-Pool aussieht.

Für einen Einblick in die praktische Arbeit berichteten zwei Praktikantinnen im Amt für Integration, Anastasia Zoubarev und Mariella Simnacher, von ihrem Einsatz beim Connected Women Day. Dort betreuten sie den Stand von „Demokratie Leben!“ und setzten Demokratie-Spiele ein, um Besucherinnen spielerisch ins Gespräch über politische Themen zu bringen. So erhielten die Teilnehmenden einen Eindruck davon, wie niedrigschwellig politische Bildung und Austausch gestaltet werden können und wie typische Aufgaben von Teamer*innen aussehen können.

Zum Abschluss stellte Silvan Hecht, geplante Veranstaltungen und Aktivitäten für das laufende und kommende Jahr vor, darunter weitere Schulungen und Teamevents. In einer offenen Runde konnten Fragen geklärt und Ideen ausgetauscht werden.

Die Schulung bot einen gelungenen Mix aus Information, Praxis und Austausch und war ein motivierender Start für alle, die sich künftig mit uns für Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Kempten engagieren möchten. Interessierte, die ebenfalls Teil des Teamer:innen-Pools werden möchten, können sich gerne bei Silvan Hecht melden.

Wir wünschen allen angehenden Teamer:innen viel Freude, Energie und Erfolg bei ihrem Engagement!

Unter dem Titel „Miteinander Kempten gestalten“ realisiert die Stadt Kempten das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Ziel des Programmes ist es, durch die Förderung von Projekten und Initiativen, demokratisches Engagement zu stärken, Vielfalt sichtbar zu machen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort unterstützen, um Radikalisierungen und Polarisierungen entgegenzuwirken.

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Die Förderlogos von Miteinander Kempten Gestalten und dem Bundesprojekt Demokratie leben!

Ein gelungener Auftakt für das neue Bündnis „Miteinander Kempten gestalten“

Eine konstituierende Sitzung ist immer etwas Besonderes – so auch am 1. Oktober 2025, als sich das neue Bündnis für die Partnerschaft für Demokratie in Kempten („Miteinander Kempten gestalten“) erstmals zusammenfand. Mit dieser Sitzung beginnt offiziell die Arbeit des Gremiums, das künftig die inhaltliche Ausrichtung des Bundesprogramms Demokratie leben! vor Ort mitgestaltet.

Das Bündnis vereint eine große Bandbreite an Stimmen aus der Stadtgesellschaft: Von Stadtverwaltung, Schulen und Hochschule über Sport und Kultur bis hin zu Beiräten und engagierten Vertreter:innen aus Jugend, Integration, Seniorenarbeit und Inklusion. Diese Vielfalt macht das Gremium zu einem Spiegel der demokratischen Kultur in Kempten und sichert, dass die Perspektiven vieler gesellschaftlicher Gruppen Gehör finden.

Gruppenbild des Bündnisses
Das neue Bündnis: Hinten vlnr. Kjemal Tushi, Silvan Hecht, Oliver Huber, Dominik Tartler, Nicolas Hefele, Philipp Wagner, Jonathan Zengerle, Romana Eger und Vorne vlnr. Priska Hecht, Ilknur Altan, Tanja Zwick, Hildegard John, Katharina Simon und Gökcen Yüksel

Im Einzelnen gehören dem Bündnis an:

  • Stadtverwaltung: Oliver Huber und Andreas Busse (Amt für Jugendarbeit), Katharina Simon (Gleichstellungsbeauftragte), Ilknur Altan (Integrationsbeauftragte) sowie Dominik Tartler (Jugendbeauftragter).
  • Zivilgesellschaftliche Vertreter:innen: Nicolas Hefele und Jonathan Zengerle (Jugendkommission), Tanja Zwick (Grund- und Mittelschulen), Hildegard John (Sport), Prof. Dr. Gökcen Yüksel (Hochschule Kempten), Uwe Liebert (Beirat für Menschen mit Behinderung), Dr. Christine Buschbeck (Seniorenpolitischer Beirat) sowie Kjemal Tushi (Integrationsbeirat).
  • Noch vakant sind die Sitze für den Bereich Kultur sowie für die Realschulen/Gymnasien.
  • Nicht stimmberechtigt: Silvan Hecht (Koordinierungs- und Fachstelle) sowie Philipp Wagner, Priska Hecht und Romana Eger (federführendes Amt).

Eröffnet wurde die Sitzung von Amtsleiter Philipp Wagner, der die anwesenden Mitglieder herzlich begrüßte. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde stand die künftige Geschäftsordnung des Bündnisses auf der Tagesordnung. Diese wurde vorgestellt und intensiv diskutiert, sodass in einer der kommenden Sitzungen über ihre endgültige Annahme entschieden werden kann.

Einen wichtigen Schwerpunkt bildete die Beratung über eingereichte Projektanträge. Fünf Vorhaben aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wurden vorgestellt und auf ihre Förderfähigkeit geprüft. Alle Anträge erhielten die Zustimmung des Gremiums – ein deutliches Zeichen dafür, wie breit das Engagement in Kempten aufgestellt ist und wie vielfältig die Ideen für eine lebendige Demokratie vor Ort sind.

s Bündnis bei der Diskussion über einen Antrag
Das Bündnis bei der Beratung eines Antrages im großen Sitzungssaal des Rathauses

Im Anschluss präsentierte die Koordinierungs- und Fachstelle ihre aktuellen Projekte und Aktivitäten. Zum Ende der Sitzung wurde zudem über die zukünftige Ausrichtung des Programms gesprochen, insbesondere im Hinblick auf die Kommunalwahl im März 2026. Dabei wurde bereits spürbar, dass das Bündnis nicht nur Förderentscheidungen trifft, sondern auch Impulse für die demokratische Kultur in der Stadt setzt.

Nach diesem gelungenen Auftakt wünschen wir den Mitgliedern des Bündnisses viel Erfolg und ein glückliches Händchen für ihre wichtige Aufgabe. Gemeinsam soll es in den kommenden Jahren gelingen, die Demokratie vor Ort zu stärken, Vielfalt zu gestalten und Extremismus vorzubeugen.

Unter dem Titel Miteinander Kempten gestalten gehört die Stadt Kempten zu zahlreichen Städten und Landkreisen, die im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! als Partnerschaft für Demokratie gefördert werden. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Kempten erhält jährlich 140.000 Euro zur Unterstützung von Projekten, die demokratisches Engagement fördern und die Gesellschaft zusammenbringen.

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Demokratie leben! auf OstHoch3

28. September 2025 um 8:30 15:00 UTC+0

Demokratie erleben und mitgestalten!
Beim Stadtteilfest OstHoch³ sind wir von Demokratie leben! mit einem eigenen Stand vertreten. Dort laden wir euch ein, spielerisch ins Gespräch zu kommen und eure Meinung sichtbar zu machen:

  • In unserem Abstimmungsspiel könnt ihr mit Kugeln in Glasröhren Zustimmung oder Ablehnung zu aktuellen politischen Fragestellungen zeigen – so wird sofort sichtbar, wie vielfältig die Meinungen im Stadtteil sind.
  • Mit unserem Emotionsspiel könnt ihr eure Gefühle zu verschiedenen politischen Thesen ausdrücken. Ob zustimmend, fragend oder kritisch – jede Position regt spannende Gespräche an und eröffnet neue Blickwinkel.

Darüber hinaus könnt ihr an unserem Stand auch mehr über das Projekt Demokratie leben! erfahren, Einblicke in unsere Arbeit gewinnen und euch über unsere kommenden Veranstaltungen informieren.

Wir freuen uns auf viele neugierige Besucher:innen, gute Gespräche und spannende Impulse rund um Demokratie und Teilhabe.

Kempten-Ost: Stadtteilbüro

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Ulrichstraße

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Kempten, 87437
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