Auch in diesem Jahr ist das Team von „Demokratie leben!“ wieder auf dem Stadteilfest in Kottern / Eich vertreten – mit einem bunten Info- und Beteiligungsstand mitten im Geschehen. Besucherinnen und Besucher erwartet die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, eigene Meinungen einzubringen und Demokratie einmal ganz praktisch zu erleben.
Mit interaktiven Methoden und kreativen Mitmachaktionen laden wir dazu ein, sich auf niedrigschwellige Weise mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt stehen Austausch, neue Perspektiven und die Frage: Wie wollen wir unser Zusammenleben in Kempten gestalten?
Vorbeikommen, mitmachen und Stimme einbringen – wir freuen uns auf viele spannende Begegnungen!
Kurz vor der Allgäuer Festwoche in Kempten, rückt unsere Veranstaltung „Heimat. Haltung. Tracht.“ eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Was bedeutet Heimat heute?
Zwischen Tradition, Brauchtum und gesellschaftlichem Wandel stehen Heimat- und Trachtenvereine heute vor neuen Fragen: Wie kann ein offener, demokratischer Heimatbegriff aussehen? Welche Haltung braucht es gegenüber extremistischen Vereinnahmungsversuchen? Und was bedeutet politische Neutralität speziell auch für Vereine?
Die Veranstaltung „Heimat. Haltung. Tracht. – Wie Vereine Tradition und Demokratie leben“ lädt zur Podiumsdiskussion ein. Es geht um Heimat, Identität, Demokratie und das für alle – für Vereine und alle, die Heimat nicht nur lieben, sondern gestalten wollen!
Auf dem Podium diskutieren u.A.:
Günter Frey (1. Landesvorsitzender des bayrischen Trachtenverbands)
Dr. Daniela Sandner (Bayrischer Landesverein für Heimatpflege e.v.)
Katharina Trenkle (Moderatorin und Projektleiterin „Tradition mit Zukunft)
„Heimat. Haltung. Tracht.“ ist eine Veranstaltung von Demokratie leben! Kempten und findet in Kooperation mit dem Projekt „Tradition mit Zukunft“ der Georg-von-Vollmar-Akademie statt, das vom Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ gefördert wird.
Anmeldung: Eine Anmeldung über die Seite der VHS ist nicht erforderlich, wird jedoch zur besseren Planung und um sich einen Platz zu sichern empfohlen. Anmeldung unter: www.vhs-kempten.de.
Am Donnerstag, den 14. Mai 2026, fand in der bigBOX ALLGÄU das „Zukunftsfest“ statt. Veranstaltet wurde das Festival vom Zukunftsbündnis Allgäu gemeinsam mit der Gemeinwohl Gesellschaft e.V. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus Politik, Zivilgesellschaft und Stadtgesellschaft nutzten die Gelegenheit, um sich über Zukunftsfragen, Nachhaltigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Teilhabe auszutauschen.
Auch „Demokratie leben!“ war mit einem interaktiven Stand vor Ort vertreten. Ziel war es, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und einen niedrigschwelligen und respektvollen Austausch über politische und gesellschaftliche Themen anzuregen.
Auch junge Besucherinnen und Besucher beteiligten sich an der Abstimmung gemeinsam mit DL-Teamerin Katharina Zöttl. Foto: @Silvan Hecht
Eine der beiden Mitmach-Stationen orientierte sich an politischen Thesen, ähnlich denen des Wahl-O-Mat. Anders als beim klassischen Format konnten die Besucherinnen und Besucher jedoch nicht nur zustimmen oder ablehnen, sondern ihre Reaktionen emotional einordnen. Die Antwortmöglichkeiten reichten von „Hilfe, das macht mir Angst!“ über „Buh, das ärgert mich!“ und „Yeah, das freut mich!“ bis hin zu „Hm, das macht mich traurig!“ oder „Hä, das überrascht mich!“. Dadurch entstanden viele Gespräche über politische Wahrnehmung, gesellschaftliche Debattenkultur und die zunehmende Emotionalisierung politischer Diskussionen. Die Station zeigt eindrucksvoll, wie Menschen gerade auch politische Forderungen oft emotional aufnehmen und einordnen.
Mit bunten Filzbällen wurden Meinungen zu Zukunfts- und Demokratiethemen sichtbar gemacht. Foto: @Katharina Zöttl
An einer zweiten Station konnten sich die Teilnehmenden zu verschiedenen Zukunfts- und Demokratiethemen positionieren. Diskutiert wurden unter anderem Fragen nach mehr Mitspracherecht für junge Menschen, strengeren staatlichen Regeln für Nachhaltigkeit oder dem Verhältnis von Klimaschutz und persönlichen Freiheiten. Die Abstimmung erfolgte mithilfe von Filzbällen, die in entsprechend gekennzeichnete Plexiglasröhren eingeworfen wurden. So wurden die unterschiedlichen Meinungsbilder direkt sichtbar und regten weitere Diskussionen an.
Die beiden Stationen stießen während des gesamten Festivals auf großes Interesse und wurden von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern genutzt. Auch Oberbürgermeister Schoch sowie mehrere Stadträtinnen und Stadträte beteiligten sich an den Aktionen. Durch den interaktiven Charakter entstand so oft ein Austausch zwischen den städtischen Abgeordneten und der Bürgerschaft.
Oberbürgermeister Christian Schoch beteiligte sich gemeinsam mit Nicolas Hefele an der Mitmachaktion. Foto: @Judith Waczek
Das Festival zeigte eindrucksvoll, wie wichtig offene Begegnungsräume für demokratischen Austausch und gesellschaftliche Beteiligung sind. Gerade interaktive Formate ermöglichen es, Menschen unterschiedlicher Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen und demokratische Kultur aktiv erlebbar zu machen.
Das Zukunftsfest war der feierliche Teil des „Festivals der Zukünfte“, welches von der Gemeinwohl-Gesellschaft organisiert und von Demokratie leben mit gefördert wurde. Das Festival erstreckte sich über eine gesamte Woche, dort fand unter anderem ein Symposium mit mehren Perspektiven zum Thema Zukunft sowie diverse Angebote lokaler Vereine und Initiativen.
Unter dem Titel Miteinander Kempten gestalten gehört die Stadt Kempten zu zahlreichen Städten und Landkreisen, die im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! als Partnerschaft für Demokratie gefördert werden. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Kempten erhält jährlich 140.000 Euro zur Unterstützung von Projekten, die demokratisches Engagement fördern und die Gesellschaft zusammenbringen.
Was tun, wenn Rechtsextremismus versucht, sich im Alltag/Verein zu etablieren?
Rechtsextremismus ist längst kein Randphänomen mehr: Er zeigt sich im Alltag, in politischen Debatten, in Kommunen, Vereinen und digitalen Räumen. Aktuelle Studien wie z.B. die „Mitte-Studie“ belegen, dass rechtsextreme, demokratiefeindliche und menschenfeindliche Haltungen bis weit in die gesellschaftliche Mitte hinein verbreitet sind. Gleichzeitig gelingt es extrem rechten Akteur:innen zunehmend, ihre Positionen zu normalisieren – sei es durch kommunalpolitische Präsenz, gezielte Themenbesetzung oder Provokationen im öffentlichen Raum. Seit einigen Jahren befindet sich die organisierte extreme Rechte in Bayern in einer Phase unterschiedlicher Dynamiken und Bewegungen: Extrem rechte Parteien sind in Parlamenten vertreten und arbeiten dort an einem grundlegenden Umbau der Gesellschaft. Neurechte Bewegungen inszenieren sich zunehmend als breite Jugendbewegung. Neonazistischen Kleinstparteien gelingt es immer wieder, mit verschiedenen Themenfeldern öffentlich wirksam aktiv zu werden. Aus dem verschwörungsideologischen Milieu hat sich eine politische Bewegung entwickelt, die mit verschiedenen Strömungen am rechten Rand zusammenarbeitet.
Wie überall stellen sich auch in Kempten und der Region die Fragen: Wie erkennen wir Mechanismen der Normalisierung rechtsextremer Positionen? Welche Auswirkungen haben diese auf die politische Kultur vor Ort? Wie können wir im Verein oder im Ehrenamt souverän und handlungsfähig bleiben? Welche Strategien und Argumentationshilfen stärken demokratische Akteure im Umgang mit menschenverachtenden Äußerungen und Provokationen?
Diese wollen wir gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ort der Demokratie“ diskutieren und versuchen, Antworten zu finden. Der Impulsvortrag mit anschließender Diskussion beginnt um 19:00 Uhr im Haus International, der Eintritt ist frei, es gilt ein Einlassvorbehalt.
Referent:innen: Die Referent:innen sind Mitarbeiter:innen des Büro Süd der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern. Neben der Beratung von Menschen und Organisationen, die mit extrem rechten oder neonazistischen Vorfällen und Personen konfrontiert sind, gehört die Aufklärung über und die Sensibilisierung für Neonazismus, Rassismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu den Kernaufgaben der Mobilen Beratung. Weitere Informationen unter: www.mbr-bayern.de.
Anmeldung: Eine Anmeldung über die Seite der VHS ist nicht erforderlich, wird jedoch zur besseren Planung und um sich einen Platz zu sichern empfohlen. Anmeldung unter: www.vhs-kempten.de.
Einlassvorbehalt: Die Veranstalter:innen behalten sich gem. Art. 10 Abs. 1 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
Das lokale Bündnis im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ hat am 24. Februar über die ersten Projektanträge für das Jahr 2026 entschieden. Bereits im Vorfeld wurde deutlich, wie groß das Interesse an Demokratieförderung in Kempten ist: Insgesamt 17 Anträge mit einem Gesamtvolumen von über 60.000 Euro wurden eingereicht.
Diese hohe Beteiligung hat das Bündnis sehr gefreut – gleichzeitig stellte sie die Mitglieder vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Da die zur Verfügung stehenden Fördermittel begrenzt sind, musste zwischen zahlreichen überzeugenden Projektideen priorisiert werden. Die Diskussionen waren entsprechend intensiv, denn mehrere qualitativ sehr gute Anträge konnten trotz ihres Engagements und ihrer Relevanz leider nicht berücksichtigt werden.
Am Ende wurden elf Projekte positiv bewertet, die im Laufe des Jahres zur Stärkung von Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlichem Zusammenhalt in Kempten beitragen werden.
Diese Projekte wurden zur Förderung ausgewählt
Gedanken.Sprung: psychische Erkrankungen zwischen Zuschreibung und Wirklichkeit Ein Projekt, das sich mit gesellschaftlichen Vorurteilen gegenüber psychischen Erkrankungen auseinandersetzt und Räume für Austausch und Sensibilisierung schafft.
100 % Menschenwürde – Tag gegen Rassismus 2026 Aktionen und Veranstaltungen rund um den Internationalen Tag gegen Rassismus, die für Menschenwürde und ein respektvolles Miteinander sensibilisieren.
Café International Ein offener Begegnungsort, der Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringt und interkulturellen Austausch fördert.
Queer the Street Öffentlichkeitswirksame Aktionen zur Sichtbarkeit queerer Lebensrealitäten und zur Förderung von Akzeptanz im öffentlichen Raum.
Über:MUT! EmpowerMEnt #gegenradikalisierung Angebote zur Stärkung von Selbstwirksamkeit und demokratischen Kompetenzen, sowie vorbeugen extremistischer Tendenzen bei jungen Menschen.
Zukunftsfest mit Markt der Möglichkeiten in Kempten Ein Beteiligungsfest, das lokale Initiativen sichtbar macht und Bürgerinnen und Bürger zum Mitgestalten einlädt.
Interkultureller Poetry Slam zum Thema „Menschenwürde ist unantastbar“ Kreative Auseinandersetzung von Menschen mit Fluchterfahrung mit demokratischen Werten durch Sprache, Kunst und Begegnung.
„Grenzgebiet Körper“ – Filmreihe zur Grenzerfahrung Körper Filmische Impulse und Diskussionen zu Fragen von Identität, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Normen. Wie selbstbestimmt ist unser Körper eigentliche?
Internationaler Tag der Kinderrechte Aktionen zur Stärkung von Kinderrechten und zur Sensibilisierung für Beteiligung und Schutz von jungen Menschen.
„Demokratie und Menschenrechte – Gemeinsam leben und respektieren“ Bildungsangebote und Workshops zur Förderung von Respekt, Vielfalt und demokratischem Zusammenleben.
Willkommen im Wir – Theaterpädagogisches Projekt Ein partizipatives Theaterprojekt, das Gemeinschaftserfahrungen ermöglicht und soziale Kompetenzen stärkt.
Große Nachfrage trifft auf begrenzte Mittel
Die Erfahrungen aus der ersten Antragsrunde zeigen deutlich: Das Engagement für Demokratieförderung in Kempten ist hoch – gleichzeitig sind die finanziellen Mittel begrenzt. Auch künftig in kommenden Jahren kann es passieren, dass schon zu Beginn des Jahres viele Mittel vergeben sind.
Um die Chancen auf eine Förderung zu erhöhen, kann es sinnvoll sein, Projektideen möglichst in der ersten Antragsfrist des Jahres einzureichen. Gleichzeitig bleibt eine Bewerbung zu späteren Zeitpunkten immer möglich. Interessierte sollten daher weiterhin die aktuellen Ausschreibungen und Fristen im Blick behalten.
Projektidee? Jetzt Kontakt aufnehmen
Sollten Sie jetzt auch eine Idee für ein demokratiestärkendes Projekt haben, dann wenden Sie sich jederzeit an die Koordinierungs- und Fachstelle. Eine frühzeitige Beratung hilft dabei, Projektansätze zu schärfen und Fördermöglichkeiten realistisch einzuschätzen.
Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“
Mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ unterstützt das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit 2015 zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie, Vielfalt und Extremismusprävention.
In Kempten werden im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie seit 2021 unter dem Motto „Miteinander Kempten gestalten“ lokale Projekte gefördert, die Beteiligung ermöglichen, gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und demokratische Kompetenzen vermitteln.
Die Förderung erfolgt projektbezogen und jeweils innerhalb eines Kalenderjahres. Über die Auswahl entscheidet ein lokales Bündnis aus Vertreterinnen und Vertretern von Zivilgesellschaft, Verwaltung und weiteren relevanten Akteuren.
Am 21. März setzen wir gemeinsam ein starkes Zeichen für Menschenwürde, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander.
Ab 17 Uhr erwartet Dich auf dem Rathausplatz ein abwechslungsreiches Programm mit Impulsen, Musik, Tanz, Theater und der Eröffnung der Ausstellung „WIR gegen Rassismus“.
Du triffst Menschen, die Haltung zeigen, und kannst selbst Teil dieses besonderen Moments werden. Lass Dich inspirieren, komm ins Gespräch und mach sichtbar, wofür Kempten steht.
Highlights sind die Fotoaktion 100% Menschenwürde und die Eröffnung der Ausstellung „WIR gegen Rassismus- Kempten zeigt Haltung“ in der Schrannenhalle. Die Ausstellung ist Produkt aus der letztjährigen Aktion, bei der Plakate gegen Rassismus gestaltet wurden. Das Projekt wurde bereits über Demokratie leben! gefördert, wie auch die diesjährige Aktion.
Veranstalter ist der Integrationsbeirat Kempten mit Unterstützung durch das Amt für Integration der Stadt Kempten, den Stadtjugendring Kempten und das Bundesprogramm „Demokratie leben“.
Bis 22. Februar 2026 können sich Künstler:innen und Künstler:innenkollektive im Rahmen einer offenen, spartenoffenen Ausschreibung für ein Kunstprojekt zur Kunstnacht Kempten 2026 bewerben.
Unter der Leitfrage „Welche Staatsform hat der Garten Eden?“ wird ein künstlerischer Beitrag gesucht, der diese Frage ergebnisoffen und diskursiv aufgreift und im Rahmen der Kunstnacht am 26. September 2026 der breiten Stadtgesellschaft zugänglich macht.
Anträge, die im Rahmen von ‚Demokratie leben!‘ gefördert werden und am 24.02.2026 dem Bündnis vorgelegt werden sollen, müssen bis zum 08.02.2026 beim federführenden Amt eingereicht werden. Bitte senden Sie diese an folgende Adresse: demokratie-leben@kempten.de.
Beachten Sie, dass Anträge vorher mit der Koordinierungs- und Fachstelle abgestimmt werden müssen. Kontakt: hecht@vhs-kempten.de
Rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen in der Volkshochschule Kempten zusammen, um sich im Rahmen des Vortrags „Differenziert über den Nahostkonflikt sprechen: Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im historischen und politischen Kontext“ mit einem der derzeit an den stärksten polarisierten Themen auseinanderzusetzen.
Dr. Sascha Ruppert-Karakas zu beginn seines Vortrages, Foto @Silvan Hecht
Der Politikwissenschaftler Dr. Sascha Ruppert-Karakas (LMU München) machte zu Beginn deutlich, dass der Abend keinen vollständigen Überblick über die gesamte Konfliktgeschichte leisten könne. Ziel sei vielmehr eine faktische Einordnung eines stark emotionalisierten Diskurses – mit dem Anspruch, politische Logiken zu verstehen, ohne Gewalt oder Akteure zu rechtfertigen. Der Vortrag bewegte sich dabei bewusst innerhalb einer liberal-demokratischen Perspektive, orientiert an Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Frage, warum undifferenziertes Sprechen über den Nahostkonflikt problematisch ist. Ruppert-Karakas zeigte auf, dass vereinfachende Narrative autoritären Akteuren nutzen, zivilgesellschaftliche Stimmen marginalisieren und den Konflikt zur Projektionsfläche innerdeutscher Auseinandersetzungen machen. Der Ruf nach „klaren Positionen“ greife dabei häufig zu kurz und blende die reale Komplexität aus.
Dr. Sascha Ruppert-Karakas erklärt dem interessierten Publikum, welche Narrative und Probleme hinter dem Begriff „Terrorhochburg“ stecken, Foto @Mariella Simnacher
Inhaltlich spannte der Vortrag einen Bogen vom historischen Kontext der Gewaltspiralen über die gescheiterten Oslo-Friedensverhandlungen bis hin zur Eskalation seit dem 7. Oktober 2023. Dabei wurde sowohl das von der Hamas verübte Massaker an der israelischen Zivilbevölkerung als auch die militärische Reaktion Israels und deren gravierende humanitäre Folgen für die Zivilbevölkerung in Gaza klar benannt und völkerrechtlich eingeordnet.
Besonders diskutiert wurde die scheinbare Unlösbarkeit des Konflikts. Ruppert-Karakas zeigte, wie sich auf beiden Seiten über Jahrzehnte hinweg Gewalt, Polarisierung und Dehumanisierung gegenseitig verstärkt haben – und welche Interessen autoritäre Akteure an der Fortführung dieses Zustands haben. Zugleich nahm er verbreitete Deutungsmuster kritisch in den Blick, etwa die Gleichsetzung Gazas mit Hamas oder vereinfachende Begriffe wie „Terrorhochburg“, die analytisch mehr verdecken als erklären.
In der anschließenden Fragerunde, die intensiv genutzt wurde, ging es nicht nur um den Konflikt vor Ort, sondern auch um die Situation in Deutschland: Wie kann hierzulande differenziert und würdevoll über Israel und Palästina gesprochen werden, ohne Antisemitismus, Rassismus oder Kollektivzuschreibungen zu reproduzieren? Die Diskussion zeigte deutlich das Bedürfnis nach Orientierung und nach einem Diskursraum jenseits von moralischer Zuspitzung.
Das Publikum mit Organisator Silvan Hecht und Referenten Sascha Ruppert-Karakas im Gespräch, wie würdevoll zu dem Thema gesprochen werden kann, Foto @Mariella Simnacher
Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung blieben zahlreiche Teilnehmende noch vor Ort, um im persönlichen Austausch mit dem Referenten, dem Veranstalter und untereinander weiterzudiskutieren.
Organisiert und finanziert wurde der Vortrag von der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ Kempten (Silvan Hecht) in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kempten. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig es ist, gerade bei hochumstrittenen Themen Räume für differenzierten, respektvollen und informierten Austausch zu schaffen.
Unter dem Titel Miteinander Kempten gestalten gehört die Stadt Kempten zu zahlreichen Städten und Landkreisen, die im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! als Partnerschaft für Demokratie gefördert werden. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Kempten erhält jährlich 140.000 Euro zur Unterstützung von Projekten, die demokratisches Engagement fördern und die Gesellschaft zusammenbringen.
Am Montag, den 27. Oktober 2025, fand in der Volkshochschule Kempten unsere erste Teamer:innenschulung statt. In kleiner, aber engagierter Runde kamen interessierte Personen zusammen, um zu lernen wie sie als Teamer:innen bei „Demokratie leben!“ aktiv werden können. Mit dieser Veranstaltung fiel der Startschuss für alle, die künftig unsere Arbeit vor Ort unterstützen und mitgestalten möchten.
Im Mittelpunkt des Treffens stand der Aufbau des Teamer:innen-Pools, einem Netzwerk engagierter Menschen, die sich im Namen von „Demokratie leben!“ für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt stark machen. Die Teamer:innen unterstützen uns in Zukunft bei Events und profitieren gleichzeitig durch neue Kontakte, Austausch mit anderen engagierten Personen und der Förderung durch Schulungen.
Die Koordinierungs- und Fachstelle Silvan Hecht erklärt interessierte Teamer:innenanwärter die Grundlagen der Tätigkeit Foto: @Anastasia Zoubarev
Der Schulungsabend begann um 18:00 Uhr mit einem offenen Ankommen, einer kurzen Vorstellungsrunde und der Frage nach der Motivation der Teilnehmenden. Einige wurden über die Hochschule auf das Angebot aufmerksam, andere engagieren sich bereits in der Jugendkommission. Schnell wurde klar: Offenheit, Kommunikationsfreude und Teamgeist sind die wichtigsten Eigenschaften für Teamer:innen.
Silvan Hecht, Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ Kempten, stellte das Bundesprogramm vor, gab einen Überblick über Ziele, Strukturen und Themenschwerpunkte und erklärte wie die Arbeit im Teamer:innen-Pool aussieht.
Für einen Einblick in die praktische Arbeit berichteten zwei Praktikantinnen im Amt für Integration, Anastasia Zoubarev und Mariella Simnacher, von ihrem Einsatz beim Connected Women Day. Dort betreuten sie den Stand von „Demokratie Leben!“ und setzten Demokratie-Spiele ein, um Besucherinnen spielerisch ins Gespräch über politische Themen zu bringen. So erhielten die Teilnehmenden einen Eindruck davon, wie niedrigschwellig politische Bildung und Austausch gestaltet werden können und wie typische Aufgaben von Teamer*innen aussehen können.
Zum Abschluss stellte Silvan Hecht, geplante Veranstaltungen und Aktivitäten für das laufende und kommende Jahr vor, darunter weitere Schulungen und Teamevents. In einer offenen Runde konnten Fragen geklärt und Ideen ausgetauscht werden.
Die Schulung bot einen gelungenen Mix aus Information, Praxis und Austausch und war ein motivierender Start für alle, die sich künftig mit uns für Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Kempten engagieren möchten. Interessierte, die ebenfalls Teil des Teamer:innen-Pools werden möchten, können sich gerne bei Silvan Hecht melden.
Wir wünschen allen angehenden Teamer:innen viel Freude, Energie und Erfolg bei ihrem Engagement!
Unter dem Titel „Miteinander Kempten gestalten“ realisiert die Stadt Kempten das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Ziel des Programmes ist es, durch die Förderung von Projekten und Initiativen, demokratisches Engagement zu stärken, Vielfalt sichtbar zu machen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort unterstützen, um Radikalisierungen und Polarisierungen entgegenzuwirken.
Die Förderlogos von Miteinander Kempten Gestalten und dem Bundesprojekt Demokratie leben!
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