Kurz vor der Allgäuer Festwoche in Kempten, rückt unsere Veranstaltung „Heimat. Haltung. Tracht.“ eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Was bedeutet Heimat heute?
Zwischen Tradition, Brauchtum und gesellschaftlichem Wandel stehen Heimat- und Trachtenvereine heute vor neuen Fragen: Wie kann ein offener, demokratischer Heimatbegriff aussehen? Welche Haltung braucht es gegenüber extremistischen Vereinnahmungsversuchen? Und was bedeutet politische Neutralität speziell auch für Vereine?
Die Veranstaltung „Heimat. Haltung. Tracht. – Wie Vereine Tradition und Demokratie leben“ lädt zur Podiumsdiskussion ein. Es geht um Heimat, Identität, Demokratie und das für alle – für Vereine und alle, die Heimat nicht nur lieben, sondern gestalten wollen!
Auf dem Podium diskutieren u.A.:
Günter Frey (1. Landesvorsitzender des bayrischen Trachtenverbands)
Dr. Daniela Sandner (Bayrischer Landesverein für Heimatpflege e.v.)
Katharina Trenkle (Moderatorin und Projektleiterin „Tradition mit Zukunft)
Diese Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Tradition mit Zukunft“ der Georg-von-Vollmar-Akademie statt.
Wie politisch ist unser Körper? Wer bestimmt über ihn – und wo beginnt Selbstbestimmung?
Die dokumentarische Kurzfilmreihe „Grenzgebiet Körper“ von der Filmemacherin Veronika Dünßer-Yagci widmet sich diesen Fragen aus persönlichen, gesellschaftlichen und historischen Perspektiven. In eindrücklichen Interviews und künstlerischen Sequenzen kommen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen zu Wort – etwa zu Körperbildern, Diskriminierung, Sterben oder staatlichen Eingriffen in körperliche Selbstbestimmung. Auch die Bedeutung von Körperideologien in der NS-Zeit wird eingeordnet.
Im Anschluss an die Premiere im Salon Kempten lädt ein moderiertes Gespräch dazu ein, Eindrücke zu teilen und gemeinsam darüber zu diskutieren, wie eine demokratische Gesellschaft mit Vielfalt, Körperbildern und Grenzen umgehen kann.
Ein Abend für alle, die sich mit Fragen von Menschenwürde, Vielfalt und gesellschaftlichem Zusammenhalt auseinandersetzen möchten.
Rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen in der Volkshochschule Kempten zusammen, um sich im Rahmen des Vortrags „Differenziert über den Nahostkonflikt sprechen: Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im historischen und politischen Kontext“ mit einem der derzeit an den stärksten polarisierten Themen auseinanderzusetzen.
Dr. Sascha Ruppert-Karakas zu beginn seines Vortrages, Foto @Silvan Hecht
Der Politikwissenschaftler Dr. Sascha Ruppert-Karakas (LMU München) machte zu Beginn deutlich, dass der Abend keinen vollständigen Überblick über die gesamte Konfliktgeschichte leisten könne. Ziel sei vielmehr eine faktische Einordnung eines stark emotionalisierten Diskurses – mit dem Anspruch, politische Logiken zu verstehen, ohne Gewalt oder Akteure zu rechtfertigen. Der Vortrag bewegte sich dabei bewusst innerhalb einer liberal-demokratischen Perspektive, orientiert an Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Frage, warum undifferenziertes Sprechen über den Nahostkonflikt problematisch ist. Ruppert-Karakas zeigte auf, dass vereinfachende Narrative autoritären Akteuren nutzen, zivilgesellschaftliche Stimmen marginalisieren und den Konflikt zur Projektionsfläche innerdeutscher Auseinandersetzungen machen. Der Ruf nach „klaren Positionen“ greife dabei häufig zu kurz und blende die reale Komplexität aus.
Dr. Sascha Ruppert-Karakas erklärt dem interessierten Publikum, welche Narrative und Probleme hinter dem Begriff „Terrorhochburg“ stecken, Foto @Mariella Simnacher
Inhaltlich spannte der Vortrag einen Bogen vom historischen Kontext der Gewaltspiralen über die gescheiterten Oslo-Friedensverhandlungen bis hin zur Eskalation seit dem 7. Oktober 2023. Dabei wurde sowohl das von der Hamas verübte Massaker an der israelischen Zivilbevölkerung als auch die militärische Reaktion Israels und deren gravierende humanitäre Folgen für die Zivilbevölkerung in Gaza klar benannt und völkerrechtlich eingeordnet.
Besonders diskutiert wurde die scheinbare Unlösbarkeit des Konflikts. Ruppert-Karakas zeigte, wie sich auf beiden Seiten über Jahrzehnte hinweg Gewalt, Polarisierung und Dehumanisierung gegenseitig verstärkt haben – und welche Interessen autoritäre Akteure an der Fortführung dieses Zustands haben. Zugleich nahm er verbreitete Deutungsmuster kritisch in den Blick, etwa die Gleichsetzung Gazas mit Hamas oder vereinfachende Begriffe wie „Terrorhochburg“, die analytisch mehr verdecken als erklären.
In der anschließenden Fragerunde, die intensiv genutzt wurde, ging es nicht nur um den Konflikt vor Ort, sondern auch um die Situation in Deutschland: Wie kann hierzulande differenziert und würdevoll über Israel und Palästina gesprochen werden, ohne Antisemitismus, Rassismus oder Kollektivzuschreibungen zu reproduzieren? Die Diskussion zeigte deutlich das Bedürfnis nach Orientierung und nach einem Diskursraum jenseits von moralischer Zuspitzung.
Das Publikum mit Organisator Silvan Hecht und Referenten Sascha Ruppert-Karakas im Gespräch, wie würdevoll zu dem Thema gesprochen werden kann, Foto @Mariella Simnacher
Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung blieben zahlreiche Teilnehmende noch vor Ort, um im persönlichen Austausch mit dem Referenten, dem Veranstalter und untereinander weiterzudiskutieren.
Organisiert und finanziert wurde der Vortrag von der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ Kempten (Silvan Hecht) in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kempten. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig es ist, gerade bei hochumstrittenen Themen Räume für differenzierten, respektvollen und informierten Austausch zu schaffen.
Unter dem Titel Miteinander Kempten gestalten gehört die Stadt Kempten zu zahlreichen Städten und Landkreisen, die im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! als Partnerschaft für Demokratie gefördert werden. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Kempten erhält jährlich 140.000 Euro zur Unterstützung von Projekten, die demokratisches Engagement fördern und die Gesellschaft zusammenbringen.
86 Minuten dauert es, diese verblüffende Geschichte zu erzählen. Keine Sekunde davon ist langweilig. Die Story führt um den halben Erdball. Jede Station beleuchtet eine neue Facette des Themas.
Was geschieht mit unserer Nahrung, nachdem wir sie verdaut und ausgeschieden haben? Ist es Abfall, der weggeworfen werden muss oder eine Ressource, die wiederverwendet werden sollte? Auf der Suche nach Lösungen reist Regisseur Rubén Abruña durch die Welt – in 16 Städte auf vier Kontinenten. Er folgt der Fäkalspur von den Pariser Abwasserkanälen bis zu einer der weltgrößten Kläranlagen in Chicago. Die vermeintliche Lösung, den Klärschlamm als Dünger auf die Felder zu bringen, erweist sich als Albtraum, denn sie enthalten giftige Schwermetalle und PFAS-Chemikalien.
Weltweit droht Düngerknappheit. Könnten da unsere Ausscheidungen zum Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden? Der Regisseur trifft die „Poop Pirates“ aus Uganda, die Slum-Bewohnern zeigen, wie aus menschlichen Fäkalien gesundheitlich unbedenklicher Kompost hergestellt wird. So kann die globale Ernährungssicherheit verbessert werden.
In Hamburg und Genf entdeckt er zwei Wohngebiete, die eigene kleine dezentrale Kläranlagen haben und Strom und Dünger erzeugen. Das hilft dem Klima, aber auch den Flüssen und Meeren, die nicht mehr von Abwässern überdüngt werden.
Im Anschluss an die Filmvorführung lädt das Zukunftsbündnis Allgäu zur Diskussion mit Regisseur Rubén Abruña ein.
Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im historischen und politischen Kontext
Der Krieg zwischen Israel und der Hamas beschäftigt weltweit Politik, Medien und Gesellschaft – auch bei uns. Die öffentliche Debatte ist emotional aufgeladen und oft geprägt von vereinfachten Sichtweisen. Doch wie lässt sich über diesen Konflikt sprechen, ohne in Parteinahme oder Pauschalisierungen zu verfallen?
Der Politikwissenschaftler Dr. Sascha Ruppert-Karakas gibt in seinem Vortrag eine differenzierte Einordnung des aktuellen Konflikts zwischen Israel und der Hamas. Er beleuchtet historische Hintergründe, politische Entwicklungen und internationale Einflussfaktoren und zeigt auf, wie eng Geschichte, Religion, Machtpolitik und menschliches Leid miteinander verwoben sind.
Zugleich geht es um die Frage, welche Verantwortung westliche Gesellschaften im Umgang mit diesem Konflikt tragen und wo die Grenzen des Sagbaren verlaufen. Der Vortrag lädt ein, Informationen zu vertiefen, Perspektiven zu reflektieren und Wege zu einem respektvollen Diskurs zu finden.
Nach dem circa einstündigen Vortrag wird es die Möglichkeit geben direkt Fragen an Dr. Sascha Ruppert-Karakas zu stellen.
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