Demokratie ist Teamarbeit – Wie Vereine sich gegen Rechtsextremismus stärken können

Wie lässt sich Demokratie im Alltag und im eigenen Verein verteidigen? Und wie reagiert man, wenn Rechtsextremismus versucht, sich dort zu etablieren? Um diese drängenden Fragen zu beantworten, kamen am 22. September knapp 80 Interessierte im Haus International in Kempten zusammen. Der Impulsvortrag „Verein(t) Demokratie verteidigen! Was tun, wenn Rechtsextremismus versucht, sich im Alltag/Verein zu etablieren“ zeigte dabei vor allem eins: Demokratische Strukturen entstehen nicht von selbst. Sie leben davon, dass Menschen sie gemeinsam gestalten.

Eröffnet worden war die Veranstaltung von Silvan Hecht. Er begrüßte neben zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern auch sechs Kemptener Stadträtinnen und Stadträte aus unterschiedlichen Fraktionen. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung des gemeinsamen demokratischen Engagements über Parteigrenzen hinweg hervorgehoben.

Der Referent der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus stellte zunächst die Fachstelle vor. Sie unterstützt unter anderem Vereine, Verbände und zivilgesellschaftliche Initiativen im Umgang mit Rechtsextremismus und setzt dabei auf Beratung, Bildung und Vernetzung. Die Mobile Beratung ist Teil des Beratungsnetzwerks Bayern gegen Rechtsextremismus, zu dem außerdem F.U.E.R. und B.U.D. gehören.

Vereine als Spiegelbild der Gesellschaft

Im Fokus des Abends stand die Rolle von Vereinen als „Spiegelbild der Gesellschaft“. Als Orte zivilgesellschaftlichen Engagements sind sie zugleich Begegnungsräume, in denen gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar werden können. Damit können auch menschenfeindliche oder rechtsextreme Einstellungen in Vereinen zum Thema werden. Mithilfe des sogenannten Eisbergmodells veranschaulichte der Referent, dass sichtbare Vorfälle häufig nur ein Teil eines größeren gesellschaftlichen Problems darstellen. Im Vordergrund stand dabei die Frage, welche Einstellungen und Abwertungen hinter der konkreten Situation stehen können.

Rechtsextremismus betrifft die Gesellschaft insgesamt

Der Referent betonte, dass Rechtsextremismus nicht als ausschließliches Jugendproblem betrachtet werden könne, sondern als gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Auch die Zahlen der politisch motivierten Kriminalität zeigen die Größenordnung des Problems: Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) wurden 2024 insgesamt 84.172 politisch motivierte Straftaten registriert. 42.788 davon wurden dem Phänomenbereich „PMK-rechts“ zugeordnet – etwas mehr als die Hälfte der insgesamt erfassten Fälle.

Publikum sitzt mit dem Rücken zur Kamera for der Bühne. Die Koordinierungs- und Fachstelle hält soeben auf der Bühne die Begrüßung.
Silvan Hecht begrüßt als Koordinierungs- und Fachstelle die anwesenden Gäste und den Referenten. Foto: Dorothea Ionescu

Der Referent ordnete die AfD in seinem Vortrag als „Gravitationszentrum“ und „Sammlungspartei“ des rechten Milieus ein. Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks beschäftigten die AfD-Bundestagsfraktion und Abgeordnete der Partei mehr als 100 Mitarbeitende, bei denen Verbindungen in rechtsextreme Milieus beziehungsweise zu entsprechend eingeordneten Organisationen festgestellt wurden.

Anhand von Zitaten, unter anderem von Götz Kubitschek, zeigte der Referent auf, welche Vorstellungen Teile der extremen Rechten von einem grundlegenden „Umbruch der Zivilgesellschaft“ anstreben. Dabei ging es nicht nur um offene Gewalt.

Taktiken wie inhaltliche Verschiebungen, Memes auf Social Media und kalkulierte Tabubrüche dienen dazu, die Demokratie schleichend zu schwächen. Häufig wird in diesem Kontext von Vereinen und Einzelpersonen „Neutralität“ eingefordert.

Der Referent unterschied in diesem Zusammenhang zwischen parteipolitischer Zurückhaltung und einer klaren Haltung zu demokratischen Grundwerten und betonte, dass Vereine für diese Werte und gegen menschenfeindliche Positionen eintreten können.

Der Referent zeigte außerdem verschiedene Formen auf, mit denen zivilgesellschaftliche Akteure unter Druck geraten können, etwa Drohungen mit dem Entzug von Fördergeldern, Shitstorms in rechten Medien, Unterwanderungsversuche oder die gezielte Nutzung parlamentarischer Instrumente. Nach seiner Einschätzung können solche Strategien darauf abzielen, engagierte Menschen zu verunsichern und ein Klima der Angst zu erzeugen.

Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Laut Referent gibt es eine pauschale Patentlösung für den Umgang mit rechtsextremen oder menschenfeindlichen Vorfällen nicht. Der Abend zeigte jedoch verschiedene Möglichkeiten auf, wie Vereine sich frühzeitig mit möglichen Situationen auseinandersetzen können.

  • Satzungen und Leitbilder überprüfen und gegebenenfalls ergänzen
  • klare Zuständigkeiten und Ansprechpersonen festlegen
  • solidarische Netzwerke aufbauen
  • mögliche Konfliktsituationen gemeinsam durchspielen
  • bei Vorfällen nicht schweigen oder wegsehen
  • Betroffene unterstützen und demokratische Positionen deutlich vertreten
Verschiedene Flyer und Broschüren liegen auf einem Tisch aus
Ausreichend Infomaterial stand den Gästen am Flyerstand zur Verfügung. Foto: Dorothea Ionescu

Da sich Grenzen häufig schleichend verschieben, sei es wichtig, frühzeitig das Gespräch zu suchen und menschenfeindlichen Aussagen klar entgegenzutreten.

Fazit und starker Ausblick

In der anschließenden Fragerunde wurden Themen wie der Umgang mit rechten Narrativen, interne Konflikte durch rechtsextreme Aussagen von Vereinsmitgliedern und der Umgang mit demokratiefeindlichen Kräften im parlamentarischen Raum diskutiert.

Ein wiederkehrender Gedanke des Abends war, dass demokratische Strukturen nicht selbstverständlich sind. Sie müssen gestaltet, geschützt und gemeinsam getragen werden. Dabei können Vereine eine wichtige Rolle spielen: als Orte der Begegnung, des Austauschs und der gesellschaftlichen Teilhabe.

Am Ende blieb eine zentrale Botschaft des Abends: „Demokratie ist Teamarbeit.“

Bündnis vergibt letzte Projektmittel für 2026

Das Bündnis der Kemptener Partnerschaft für Demokratie hat in seiner Sitzung am 28. Juli 2026 über acht weitere Projektanträge beraten. Für die zweite Förderrunde standen noch rund 13.500 Euro aus dem Aktions- und Initiativfonds des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ zur Verfügung. Je nach Vorhaben erfolgte die Bewilligung vollständig oder für einzelne Bestandteile des beantragten Projekts.

Erneut überstieg das beantragte Fördervolumen die noch verfügbaren Mittel deutlich. Über das gesamte Jahr 2026 hinweg lagen die eingegangenen Anträge insgesamt rund 40.000 Euro über dem verfügbaren Jahresbudget. Dies ist ein starkes Zeichen für eine aktive Kemptener Zivilgesellschaft, die sich mit vielfältigen Ideen gezielt für demokratische Werte, gesellschaftliche Teilhabe und gegen Extremismus einsetzen möchte.

Gleichzeitig stellte die große Zahl überzeugender Projektideen das Bündnis vor eine schwierige Aufgabe. Die Mitglieder rangen um eine möglichst wirkungsvolle Verwendung jedes verfügbaren Euros und nahmen notwendige Einsparungen vor, um möglichst viele Vorhaben unterstützen zu können.

Diese Projekte werden gefördert

  • „Bürgerradio: Demokratie-Verstärker“ – Gemeinwohl-Gesellschaft e. V.
    Ein temporäres Bürgerradio macht demokratische Themen durch Interviews, Außenreportagen, mehrsprachige Beiträge und Klanginstallationen hörbar. Im Mittelpunkt stehen Mitbestimmung, Ehrenamt, und demokratische Selbstwirksamkeit.
  • „Lesung und Gespräch mit Bürgermeister Alshebl“ – Haus International
    Die Veranstaltung greift die Themen Flucht, Ankommen, Zugehörigkeit und demokratische Teilhabe auf. Neben der persönlichen Geschichte des Bürgermeisters Ryyan Alshebl steht insbesondere sein Weg in die Kommunalpolitik im Mittelpunkt.
  • „Durch Zivilcourage Demokratie fördern!“ – Allgäuer Werkstätten GmbH
    In einem praxisnahen Workshop beschäftigen sich Menschen mit Unterstützungsbedarf mit Demokratie, Beteiligung und eigenen Handlungsmöglichkeiten. Unterschiedliche demokratische Entscheidungsformen werden erprobt und Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe in Kempten aufgezeigt.
  • „Nicht echt, aber real!“ – Volkshochschule Kempten
    Das Projekt entwickelt Unterrichtseinheiten zu KI-generierter bildbasierter Gewalt, Deepfakes, digitaler Bloßstellung und Desinformation. Schülerinnen und Schüler lernen, manipulierte Inhalte zu erkennen, kritisch einzuordnen und im digitalen Raum verantwortungsvoll zu handeln.
  • „Gegen den Hass, der uns spaltet!“ – SoWiSo e. V.
    Interaktive Workshops sensibilisieren Jugendliche und junge Erwachsene für unterschiedliche Formen von Alltagsdiskriminierung. Gemeinsam werden Handlungsmöglichkeiten erarbeitet, um Diskriminierung zu erkennen, Grenzen zu setzen und Betroffene zu unterstützen.
  • „Die Würde des Menschen ist unantastbar – Du bist ein Königskind!“ – Katholische Kirchenstiftung St. Lorenz/Kempten
    Eine Ausstellung und begleitende Angebote setzen sich mit der Einzigartigkeit und Würde jedes Menschen auseinander. Begegnungen und Führungen sollen insbesondere den generationenübergreifenden Austausch fördern und für Ausgrenzung und Diskriminierung sensibilisieren.
  • „Geschichte verstehen – Demokratie stärken“ – DITIB Türkisch-Islamische Gemeinde Kempten
    Das politische Bildungsprojekt vermittelt demokratische Strukturen, Beteiligungsmöglichkeiten und Zusammenhänge zwischen Geschichte und Gegenwart.

Weitere Themen der Sitzung

Das Bündnis wurde außerdem über laufende und geplante Aktivitäten der Partnerschaft für Demokratie informiert und stimmte sich zu den kommenden Vorhaben ab. Dazu gehörten ein Rückblick auf die erfolgreich durchgeführte 6. Demokratie- und Teilhabekonferenz, die Präsenz mit Informations- und Mitmachständen bei verschiedenen Veranstaltungen und Stadteilfesten in Kempten sowie aktuelle Entwicklungen und kommende Rahmenbedingungen des Bundesprogramms.

Vorgestellt wurden zudem die weiteren Veranstaltungen im Ort der Demokratie, der mit Vorträgen, Diskussionen und Beteiligungsformaten regelmäßig Raum für Information, Austausch und unterschiedliche Perspektiven bietet. Auch die geplante Ausstellung mit Demokratie-Billboards zur Kunstnacht am 26. September 2026 in Zusammenarbeit mit der Montessori-Fachoberschule für Gestaltung war Thema der Sitzung.

Fördermittel für 2026 ausgeschöpft

Mit den Entscheidungen der Sitzung sind die für Einzelprojekte verfügbaren Fördermittel für 2026 ausgeschöpft. Neue Projektanträge können wieder Anfang 2027 eingereicht werden. Interessierten Vereinen, Einrichtungen und Initiativen wird empfohlen, ihre Projektideen bereits im Dezember 2026 oder Januar 2027 mit der Koordinierungs- und Fachstelle zu besprechen. Eine frühzeitige Beratung erleichtert die inhaltliche Planung, die Abstimmung der Fördermöglichkeiten und hilft dabei Fehler beim Antrag stellen zu vermeiden.

Heimat. Haltung. Tracht.: Gelungener Auftakt im „Ort der Demokratie“

Mit der Podiumsdiskussion „Heimat. Haltung. Tracht. – Wie Vereine Tradition und Demokratie leben“ ist am 4. August die Veranstaltungsreihe im neuen Ort der Demokratie im Haus International erfolgreich gestartet. Mehr als 50 Gäste kamen zusammen, um über Heimat, Brauchtum, Vereinsleben und demokratische Verantwortung ins Gespräch zu kommen.

Zur Begrüßung führte Silvan Hecht von der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ Kempten in den Abend ein. Er hob die besondere Bedeutung des Vereinswesens für eine lebendige Demokratie hervor: Vereine sind Orte, an denen Menschen Gemeinschaft erleben, Verantwortung übernehmen, Regeln gemeinsam aushandeln und demokratische Strukturen praktisch erfahren. Anlässlich der bevorstehenden Allgäuer Festwoche rückte der Abend besonders Heimat- und Trachtenvereine in den Mittelpunkt.

Katharina Trenkle (links) und Silvan Hecht (rechts) begrüßen das Publikum mit Mikrofonen bei der Podiumsdiskussion „Heimat. Haltung. Tracht.“ im Haus International in Kempten.
Katharina Trenkle und Silvan Hecht begrüßen die Gäste zum Auftakt von „Heimat. Haltung. Tracht.“ Foto: Anna Trenkle

Anschließend stellte sich Katharina Trenkle vor, die das Podium moderierte und als Koorganisatorin für das Projekt „Tradition mit Zukunft“ der Georg-von-Vollmar-Akademie beteiligt war. Den kulturellen Auftakt gestaltete der Burgberger Trachtenverein mit einem Schuhplattler-Auftritt. Sieben Paare tanzten, begleitet von einem Akkordeon, während das Publikum fleißig im Takt mitklatschte.

Im Anschluss begann die Podiumsdiskussion mit Günter Frey, 1. Landesvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbands, Dr. Daniela Sandner vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e. V. und Franziska Limmer vom Bergmännle-Trachtenverein Kempten. Katharina Trenkle führte souverän durch die Diskussion und öffnete immer wieder den Raum für unterschiedliche Perspektiven.

Mitglieder des Burgberger Trachtenvereins tanzen in traditioneller Tracht beim Schuhplattler-Auftritt zum Auftakt der Podiumsdiskussion „Heimat. Haltung. Tracht.“ im Haus International in Kempten.
Der Burgberger Trachtenverein eröffnet den Abend mit einem Schuhplattler. Foto: Anna Trenkle

Günter Frey machte deutlich, dass Trachtenvereine ein Spiegel der Gesellschaft sein sollten. Für ihn bedeutet das auch, dass sich alle Bevölkerungsgruppen in Trachtenvereinen willkommen und aufgehoben fühlen können. Zugleich erkannte er an, dass Begriffe wie Heimat, Tradition und Tracht politisch aufgeladen sind – auch durch rechtsextreme Vereinnahmungsversuche und ihre historische Rolle in der NS-Zeit. Gerade deshalb, so Frey, sei es wichtig, dass Vereine selbstbewusst für einen offenen Heimatbegriff eintreten.

Dr. Daniela Sandner ergänzte die Diskussion immer wieder um eine wissenschaftliche Perspektive. Sie betonte, dass rechtsextreme Einstellungen in Teilen der Gesellschaft präsent sind und sich dies auch in Vereinen widerspiegeln kann. Eine systematische oder gesteuerte Unterwanderung von Trachtenvereinen sieht sie aktuell nicht, mahnte jedoch zu Wachsamkeit. Zugleich sprach sie sich dafür aus, dass Heimat- und Trachtenvereine aktiv auf neue und vielfältige Zielgruppen zugehen sollten.

Blick durch zwei Männer in traditioneller Tracht auf die Bühne der Podiumsdiskussion „Heimat. Haltung. Tracht.“ im Haus International in Kempten; davor sitzt das Publikum, auf der Bühne diskutieren die vier Teilnehmenden.
Im Mittelpunkt der Diskussion stehen Heimat, Tradition, Vereinsleben und demokratische Verantwortung. Foto: Anna Trenkle

Auch Franziska Limmer machte deutlich, wie wichtig Vereinsarbeit für demokratisches Miteinander sein kann. Besonders die Jugendarbeit in Vereinen biete die Chance, Gemeinschaft, Verantwortung, Mitbestimmung und gegenseitigen Respekt früh erlebbar zu machen.

Ein interaktiver Teil brachte zusätzlich Bewegung in den Abend: Das Publikum konnte zu verschiedenen Thesen mit grünen und roten Karten Zustimmung oder Ablehnung zeigen. Besonders deutlich fiel die Zustimmung bei den Aussagen aus, dass sich Trachtenvereine aktiv um Menschen mit Migrationsgeschichte bemühen sollten und dass ein Verein klar gegen Rechtsextremismus Stellung beziehen kann, ohne seine politische Neutralität zu verlieren.

In der anschließenden Fragerunde ging es unter anderem um regionale Unterschiede von Trachten, um die Allgäuer Gebirgstracht und die erneuerte schwäbische Tracht sowie um die Frage, wie sich das Tragen von Dirndl und Lederhose außerhalb klassischer Trachtenvereine einordnen lässt. Dabei wurde deutlich: Zwischen Vereinstradition, persönlichem Kleidungsstil und Festkultur gibt es Unterschiede – aber auch Chancen, über solche Zugänge neue Menschen für Brauchtum und Vereinsleben zu gewinnen.

Zum Abschluss bedankte sich Silvan Hecht bei der Moderation, den Podiumsgästen, dem Burgberger Trachtenverein und den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern. Bei einem gemütlichen Umtrunk gab es anschließend Gelegenheit, Gespräche fortzusetzen und eigene Gedanken einzubringen.

Katharina Trenkle (links) im Gespräch mit Franziska Limmer (Mitte) und Günter Frey (rechts) nach der Podiumsdiskussion „Heimat. Haltung. Tracht.“ im Haus International in Kempten.
Katharina Trenkle im Gespräch mit Franziska Limmer und Günter Frey nach der Veranstaltung. Foto: Anna Trenkle

Die Veranstaltung war eine Kooperation von Demokratie leben! Kempten mit dem Projekt „Tradition mit Zukunft“ der Georg-von-Vollmar-Akademie, gefördert vom Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“.

Die Reihe im „Ort der Demokratie“ wird in den kommenden Monaten fortgesetzt und lädt weiterhin dazu ein, Demokratie vor Ort gemeinsam zu erleben, zu diskutieren und mitzugestalten.

Am 22. September steht beim Vortrag „Verein(t) Demokratie verteidigen!“ die Frage im Mittelpunkt, wie Vereine, Ehrenamtliche und Engagierte handlungsfähig bleiben können, wenn Rechtsextremismus im Alltag, im Verein oder im öffentlichen Raum sichtbar wird. Gemeinsam mit der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern geht es um Strategien, Handlungsmöglichkeiten und konkrete Unterstützung.

Am 13. Oktober folgt die „Ideenwerkstatt Kempten“. Hier sind alle eingeladen, eigene Gedanken, Wünsche und Vorschläge für das Zusammenleben in Kempten einzubringen – ganz gleich, ob es sich um eine erste Idee, eine Beobachtung aus dem Alltag oder bereits um einen konkreten Vorschlag handelt.

Am 10. November informiert eine Fragerunde zur Ausschreibung „Ort der Demokratie 2027“ über die Möglichkeit, sich mit einem eigenen Ort oder Konzept zu bewerben. Die Veranstaltung richtet sich an Vereine, Einrichtungen, Treffpunkte und Initiativen, die Demokratie an ihrem Ort sichtbar und erlebbar machen möchten.

Logo des Orts der Demokratie; Piktografische Darstellung eines Hauses in dem sich zwei Personen unterhalten.

Alle Veranstaltungen finden im Haus International statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung über die vhs Kempten ist nicht erforderlich, wird zur besseren Planung jedoch empfohlen.

Fragerunde zur Ausschreibung „Ort der Demokratie 2027“

10. November um 19:00 – 20:30

Für das Jahr 2027 sucht die Kemptener Partnerschaft für Demokratie einen neuen Kooperationsort, der gemeinsam mit der Koordinierungs- und Fachstelle zum „Ort der Demokratie“ weiterentwickelt wird.
Eine entsprechende Ausschreibung wird Ende September veröffentlicht.

Gesucht werden Orte, die Menschen erreichen, die bisher nur selten mit Angeboten der Demokratiebildung in Berührung kommen. Das können beispielsweise Vereine, Kultur- und Jugendorte, soziale Einrichtungen, Cafés, Bars, Clubs, gastronomische Betriebe, Begegnungsstätten oder ganz andere Treffpunkte in Kempten sein.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Demokratie an einem konkreten Ort sichtbar, erlebbar und zum Thema werden kann. Denkbar sind unter anderem Gesprächsrunden, Spieleabende, kreative Aktionen, Vorträge, Workshops oder Beiträge im Rahmen bestehender Veranstaltungen. Die Formate sollen zum jeweiligen Ort und zu den Menschen passen, die dort erreicht werden.

Bei der Fragerunde stellen wir die Ausschreibung und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit vor. Wir informieren darüber, welche Unterstützung die Koordinierungs- und Fachstelle im Jahr 2027 leisten kann, welche Anforderungen an ein Konzept gestellt werden und wie das Auswahlverfahren abläuft. Anschließend besteht ausreichend Zeit für Fragen und den Austausch über erste Ideen.

Die Veranstaltung richtet sich an alle, die überlegen, sich mit einem Ort oder einem gemeinsamen Konzept zu bewerben. Vorerfahrungen in der politischen Bildung sind nicht erforderlich.

Die Teilnahme ist unverbindlich und keine Voraussetzung für eine spätere Bewerbung.

Anmeldung: Eine Anmeldung über die Seite der VHS ist nicht erforderlich, wird jedoch zur besseren Planung und um sich einen Platz zu sichern empfohlen. Anmeldung unter: www.vhs-kempten.de.

Kostenlos

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Demokratie Billboards auf der Kunstnacht

26. September um 19:00 – 23:30 UTC+0

Im Rahmen der KunstNacht Kempten präsentiert die Koordinierungs- und Fachstelle des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ das geförderte Kunstprojekt „Demokratie Billboards“ in der Kunstfabrik.

Ausgangspunkt des Projekts ist die Leitfrage: „Welche Staatsform hat der Garten Eden?“ Schülerinnen und Schüler der Montessori Fachoberschule für Gestaltung (MOS) haben sich über mehrere Wochen künstlerisch mit dieser Frage auseinandergesetzt. Konzipiert und begleitet wurde das Projekt von Christian Hörl (Lehrer, Künstler) und Nicola Reiter (Grafikdesignerin, Künstlerin). Dabei ging es nicht darum, eine eindeutige Antwort zu finden. Vielmehr standen Fragen im Mittelpunkt, die unser Zusammenleben direkt berühren: Wer entscheidet? Wem gehört ein gemeinsamer Raum? Was braucht Freiheit? Welche Regeln braucht Gemeinschaft? Und was passiert, wenn unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung, Gerechtigkeit oder Teilhabe aufeinandertreffen?

Aus dieser Auseinandersetzung sind etwas mehr als 30 Collagen entstanden. Die Arbeiten zeigen persönliche, kritische, überraschende und teils sehr poetische Perspektiven junger Menschen auf Demokratie, Gemeinschaft, Freiheit und gesellschaftliches Zusammenleben. Einige ausgewählte Motive werden im Vorfeld der KunstNacht als großformatige Demokratie Billboards im Kemptener Stadtgebiet sichtbar sein. In der Kunstfabrik sind nun alle entstandenen Entwürfe zu sehen.

Die Ausstellung versteht sich nicht nur als Präsentation, sondern auch als Einladung zum Mitdenken. Gezielt platzierte Fragen regen Besucherinnen und Besucher dazu an, sich selbst mit der Leitfrage auseinanderzusetzen und eigene Gedanken zu Gemeinschaft, Regeln, Freiheit und Zusammenleben zu entwickeln. So entsteht ein offener Raum für Reflexion, Austausch und unterschiedliche Perspektiven.

Die Präsentation findet im mittleren Raum der Kunstfabrik statt. Darüber hinaus sind in der Kunstfabrik weitere Angebote von Stadt & Land gestalten sowie der Kunstschule Kempten zu sehen. Ergänzt wird das Programm durch eine Bühne mit Musikdarbietungen sowie eine kleine Bar.

Ein Projekt der Koordinierungs- und Fachstelle des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ in Kooperation mit der MOS Allgäu.

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Heimat. Haltung. Tracht. – Wie Vereine Tradition und Demokratie leben

4. August um 19:00 – 20:30

Kurz vor der Allgäuer Festwoche in Kempten, rückt unsere Veranstaltung „Heimat. Haltung. Tracht.“ eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Was bedeutet Heimat heute?

Zwischen Tradition, Brauchtum und gesellschaftlichem Wandel stehen Heimat- und Trachtenvereine heute vor neuen Fragen: Wie kann ein offener, demokratischer Heimatbegriff aussehen? Welche Haltung braucht es gegenüber extremistischen Vereinnahmungsversuchen? Und was bedeutet politische Neutralität speziell auch für Vereine?

Die Veranstaltung „Heimat. Haltung. Tracht. – Wie Vereine Tradition und Demokratie leben“ lädt zur Podiumsdiskussion ein. Es geht um Heimat, Identität, Demokratie und das für alle – für Vereine und alle, die Heimat nicht nur lieben, sondern gestalten wollen!

Auf dem Podium diskutieren u.A.:

  • Günter Frey (1. Landesvorsitzender des bayrischen Trachtenverbands)
  • Dr. Daniela Sandner (Bayrischer Landesverein für Heimatpflege e.v.)
  • Katharina Trenkle (Moderatorin und Projektleiterin „Tradition mit Zukunft)

„Heimat. Haltung. Tracht.“ ist eine Veranstaltung von Demokratie leben! Kempten und findet in Kooperation mit dem Projekt „Tradition mit Zukunft“ der Georg-von-Vollmar-Akademie statt, das vom Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ gefördert wird.

Anmeldung: Eine Anmeldung über die Seite der VHS ist nicht erforderlich, wird jedoch zur besseren Planung und um sich einen Platz zu sichern empfohlen. Anmeldung unter: www.vhs-kempten.de.

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Vortrag: Verein(t) Demokratie verteidigen!

22. September um 19:00 – 20:30

Was tun, wenn Rechtsextremismus versucht, sich im Alltag/Verein zu etablieren?

Rechtsextremismus ist längst kein Randphänomen mehr: Er zeigt sich im Alltag, in politischen Debatten, in Kommunen, Vereinen und digitalen Räumen. Aktuelle Studien wie z.B. die „Mitte-Studie“ belegen, dass rechtsextreme, demokratiefeindliche und menschenfeindliche Haltungen bis weit in die gesellschaftliche Mitte hinein verbreitet sind. Gleichzeitig gelingt es extrem rechten Akteur:innen zunehmend, ihre Positionen zu normalisieren – sei es durch kommunalpolitische Präsenz, gezielte Themenbesetzung oder Provokationen im öffentlichen Raum. Seit einigen Jahren befindet sich die organisierte extreme Rechte in Bayern in einer Phase unterschiedlicher Dynamiken und Bewegungen: Extrem rechte Parteien sind in Parlamenten vertreten und arbeiten dort an einem grundlegenden Umbau der Gesellschaft. Neurechte Bewegungen inszenieren sich zunehmend als breite Jugendbewegung. Neonazistischen Kleinstparteien gelingt es immer wieder, mit verschiedenen Themenfeldern öffentlich wirksam aktiv zu werden. Aus dem verschwörungsideologischen Milieu hat sich eine politische Bewegung entwickelt, die mit verschiedenen Strömungen am rechten Rand zusammenarbeitet.

Wie überall stellen sich auch in Kempten und der Region die Fragen: Wie erkennen wir Mechanismen der Normalisierung rechtsextremer Positionen? Welche Auswirkungen haben diese auf die politische Kultur vor Ort? Wie können wir im Verein oder im Ehrenamt souverän und handlungsfähig bleiben? Welche Strategien und Argumentationshilfen stärken demokratische Akteure im Umgang mit menschenverachtenden Äußerungen und Provokationen?

Diese wollen wir gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ort der Demokratie“ diskutieren und versuchen, Antworten zu finden. Der Impulsvortrag mit anschließender Diskussion beginnt um 19:00 Uhr im Haus International, der Eintritt ist frei, es gilt ein Einlassvorbehalt.

Referent:innen: Die Referent:innen sind Mitarbeiter:innen des Büro Süd der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern. Neben der Beratung von Menschen und Organisationen, die mit extrem rechten oder neonazistischen Vorfällen und Personen konfrontiert sind, gehört die Aufklärung über und die Sensibilisierung für Neonazismus, Rassismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu den Kernaufgaben der Mobilen Beratung. Weitere Informationen unter: www.mbr-bayern.de.

Anmeldung: Eine Anmeldung über die Seite der VHS ist nicht erforderlich, wird jedoch zur besseren Planung und um sich einen Platz zu sichern empfohlen. Anmeldung unter: www.vhs-kempten.de.

Einlassvorbehalt: Die Veranstalter:innen behalten sich gem. Art. 10 Abs. 1 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

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Premiere: „Grenzgebiet Körper“ eine künstlerische Dokumentarfilmreihe

20. November um 19:00 – 21:00

Wie politisch ist unser Körper? Wer bestimmt über ihn – und wo beginnt Selbstbestimmung?

Die dokumentarische Kurzfilmreihe „Grenzgebiet Körper“ von der Videokünstlerin Veronika Dünßer-Yagci sammelt und forscht zu diesen Fragen aus persönlichen, gesellschaftlichen und historischen Perspektiven. In eindrücklichen Interviews und künstlerischen Sequenzen kommen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen zu Wort – etwa zu Körperbildern, Diskriminierung, Sterben oder staatlichen Eingriffen in körperliche Selbstbestimmung. Auch die Bedeutung von Körperideologien in der NS-Zeit sowie deren Bezug zum Allgäu werden eingeordnet.

Filmtrailer zu Grenzgebiet Körper von Veronika Dünßer-Yagci.

Im Anschluss an die Premiere im Salon Kempten lädt ein moderiertes Gespräch dazu ein, Eindrücke zu teilen und gemeinsam darüber zu diskutieren, wie eine demokratische Gesellschaft mit Vielfalt, Körperbildern und Grenzen umgehen kann.

Ein Abend für alle, die sich mit Fragen von Menschenwürde, Vielfalt und gesellschaftlichem Zusammenhalt auseinandersetzen möchten.

Empfohlen ab 15 Jahren I Eintritt frei
Instagram: @veronika.duensser_yagci und FB
Mehr Informationen: www.videokunst-allgaeu.de/grenzgebietkoerper
Projektträger: Caritasverband Kempten-Oberallgäu.

Caritasverband Kempten-Oberallgäu

0831 960880 0

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Differenziert über den Nahostkonflikt sprechen – Vortrag an der VHS Kempten

Rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen in der Volkshochschule Kempten zusammen, um sich im Rahmen des Vortrags „Differenziert über den Nahostkonflikt sprechen: Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im historischen und politischen Kontext“ mit einem der derzeit an den stärksten polarisierten Themen auseinanderzusetzen.

Referent Dr. Sascha Ruppert-Karakas rechts im Bild zu Beginn des Vortrags
Dr. Sascha Ruppert-Karakas zu beginn seines Vortrages, Foto @Silvan Hecht

Der Politikwissenschaftler Dr. Sascha Ruppert-Karakas (LMU München) machte zu Beginn deutlich, dass der Abend keinen vollständigen Überblick über die gesamte Konfliktgeschichte leisten könne. Ziel sei vielmehr eine faktische Einordnung eines stark emotionalisierten Diskurses – mit dem Anspruch, politische Logiken zu verstehen, ohne Gewalt oder Akteure zu rechtfertigen. Der Vortrag bewegte sich dabei bewusst innerhalb einer liberal-demokratischen Perspektive, orientiert an Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus.

Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Frage, warum undifferenziertes Sprechen über den Nahostkonflikt problematisch ist. Ruppert-Karakas zeigte auf, dass vereinfachende Narrative autoritären Akteuren nutzen, zivilgesellschaftliche Stimmen marginalisieren und den Konflikt zur Projektionsfläche innerdeutscher Auseinandersetzungen machen. Der Ruf nach „klaren Positionen“ greife dabei häufig zu kurz und blende die reale Komplexität aus.

Der Referent erklärt dem interessierten Publikum welche Narrative hinter dem Begriff Terrorhochburg stecken
Dr. Sascha Ruppert-Karakas erklärt dem interessierten Publikum, welche Narrative und Probleme hinter dem Begriff „Terrorhochburg“ stecken, Foto @Mariella Simnacher

Inhaltlich spannte der Vortrag einen Bogen vom historischen Kontext der Gewaltspiralen über die gescheiterten Oslo-Friedensverhandlungen bis hin zur Eskalation seit dem 7. Oktober 2023. Dabei wurde sowohl das von der Hamas verübte Massaker an der israelischen Zivilbevölkerung als auch die militärische Reaktion Israels und deren gravierende humanitäre Folgen für die Zivilbevölkerung in Gaza klar benannt und völkerrechtlich eingeordnet.

Besonders diskutiert wurde die scheinbare Unlösbarkeit des Konflikts. Ruppert-Karakas zeigte, wie sich auf beiden Seiten über Jahrzehnte hinweg Gewalt, Polarisierung und Dehumanisierung gegenseitig verstärkt haben – und welche Interessen autoritäre Akteure an der Fortführung dieses Zustands haben. Zugleich nahm er verbreitete Deutungsmuster kritisch in den Blick, etwa die Gleichsetzung Gazas mit Hamas oder vereinfachende Begriffe wie „Terrorhochburg“, die analytisch mehr verdecken als erklären.

In der anschließenden Fragerunde, die intensiv genutzt wurde, ging es nicht nur um den Konflikt vor Ort, sondern auch um die Situation in Deutschland: Wie kann hierzulande differenziert und würdevoll über Israel und Palästina gesprochen werden, ohne Antisemitismus, Rassismus oder Kollektivzuschreibungen zu reproduzieren? Die Diskussion zeigte deutlich das Bedürfnis nach Orientierung und nach einem Diskursraum jenseits von moralischer Zuspitzung.

Das Publikum mit Organisator Silvan Hecht und Referenten Sascha Ruppert-Karakas im Gespräch, wie würdevoll zu dem Thema gesprochen werden kann.
Das Publikum mit Organisator Silvan Hecht und Referenten Sascha Ruppert-Karakas im Gespräch, wie würdevoll zu dem Thema gesprochen werden kann, Foto @Mariella Simnacher

Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung blieben zahlreiche Teilnehmende noch vor Ort, um im persönlichen Austausch mit dem Referenten, dem Veranstalter und untereinander weiterzudiskutieren.

Organisiert und finanziert wurde der Vortrag von der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ Kempten (Silvan Hecht) in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Kempten. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig es ist, gerade bei hochumstrittenen Themen Räume für differenzierten, respektvollen und informierten Austausch zu schaffen.

Unter dem Titel Miteinander Kempten gestalten gehört die Stadt Kempten zu zahlreichen Städten und Landkreisen, die im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! als Partnerschaft für Demokratie gefördert werden. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Kempten erhält jährlich 140.000 Euro zur Unterstützung von Projekten, die demokratisches Engagement fördern und die Gesellschaft zusammenbringen.

Miteinander Kempten Gestalten Logo gemeinsm mit dem Demokratie Leben! Logo

Filmmatinee und Diskussion mit Regisseur Rubén Abruña – Holy Shit

7. Dezember 2025 um 10:30 – 13:00

86 Minuten dauert es, diese verblüffende Geschichte zu erzählen. Keine Sekunde davon ist langweilig. Die Story führt um den halben Erdball. Jede Station beleuchtet eine neue Facette des Themas.

Was geschieht mit unserer Nahrung, nachdem wir sie verdaut und ausgeschieden haben? Ist es Abfall, der weggeworfen werden muss oder eine Ressource, die wiederverwendet werden sollte?
Auf der Suche nach Lösungen reist Regisseur Rubén Abruña durch die Welt – in 16 Städte auf vier Kontinenten. Er folgt der Fäkalspur von den Pariser Abwasserkanälen bis zu einer der weltgrößten Kläranlagen in Chicago. Die vermeintliche Lösung, den Klärschlamm als Dünger auf die Felder zu bringen, erweist sich als Albtraum, denn sie enthalten giftige Schwermetalle und PFAS-Chemikalien.

Weltweit droht Düngerknappheit. Könnten da unsere Ausscheidungen zum Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden? Der Regisseur trifft die „Poop Pirates“ aus Uganda, die Slum-Bewohnern zeigen, wie aus menschlichen Fäkalien gesundheitlich unbedenklicher Kompost hergestellt wird. So kann die globale Ernährungssicherheit verbessert werden.

In Hamburg und Genf entdeckt er zwei Wohngebiete, die eigene kleine dezentrale Kläranlagen haben und Strom und Dünger erzeugen. Das hilft dem Klima, aber auch den Flüssen und Meeren, die nicht mehr von Abwässern überdüngt werden.

Im Anschluss an die Filmvorführung lädt das Zukunftsbündnis Allgäu zur Diskussion mit Regisseur Rubén Abruña ein.

Plakat fürs KlimaKino

Gemeinwohl Gesellschaft e.V.

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Kempten, 87439
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